Ankunft in New Orleans

Die Sonne scheint und es ist warm an diesem 15 Tag unserer Reise. Sonnenschein ist für einen Tag “that just makes you feel good” eine sehr gute Voraussetzung. Wir sind gut gelaunt und ziehen uns einen Kaffee an der Tanke in einer Selbstbedienungsecke. Es gibt verschiedene Sorten, die entsprechend beschrifteten Kannen stehen jeweils auf einer eigenen Warmhalteplatte. Kaffee auf Warmhalteplatte – zugegeben nicht das ganz große Tennis* im Umfeld der gerösteten Bohne. Nach diesem also schwachen Anfang ging es steil bergab, als ich den Milchspender bediente und ihn nicht mehr stoppen konnte. Die Milchabgabe des Gerätes durchlief die Stufen tropfend, Leckage, ströhmend und flutend, derweil ich zunächst gelassen, dann irritiert, nervös und schließlich hektisch an dem Gerät fingerte und versuchte, das Unglück abzuwenden. Es gelang mir durch massivem Einsatz von Papierservietten, den Schaden zumindest einzudämmen. Als aber die Papierservietten aufweichten, nachgaben und mein kleiner Damm an verschiedenen Stellen brach, rief ich laut nach Hilfe. Eine Tankstellenbedienstete war auch sofort zur Stelle und sagte, das hätte ich gut gemacht.

Damit kommen wir zu einem zweiten Thema hier. Wir haben so unsere Schwierigkeiten, die Südstaatler zu verstehen. Unsere Gespräche laufen oft grob so ab, dass unser Gegenüber irritiert ist, wenn wir etwas sagen und umgekehrt e. und ich uns regelmäßig beraten, was mit dem Gehörten gesagt worden sein könnte. Es ist lästig wenn wir z.B. im Restaurant Gerichte gereicht bekommen, die nicht entfernt mit dem zu tun haben, was uns vorschwebte. Die Kommunikation hier ist hakelig.

War nun also tatsächlich gesagt worden, ich hätte das gut gemacht? (Die Milch lief schon in mehreren Rinnsalen die Panelen herunter.) Oder war mein Hilferuf gemeint? Wir ließen uns nichts anmerken und zahlten den Kaffee. Beim Hinausgehen warf ich noch einen raschen Blick zurück und konnte erkennen, dann sie inzwischen zu dritt versuchen, den Milchspender zur Vernunft zu bringen.

Wir sind bis New Orleans gekommen und haben morgen den ganzen Tag Zeit für die Stadt.
* Gruß an MD

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Blue Mississippi

blue  adj. [fig.]  traurig

Tag 14 unserer Reise, das Zwischenziel ist die Stadt Greenville am Mississippi. Wir sind wenig informiert und schließen aus den verfügbaren Karten auf ein malerisches Örtchen mit schönem Blick über den gewaltigen Fluss. Diese Vorstellungen sind falsch, Greenville ist arm, viele Viertel wirken heruntergekommen, Häuser sind mit Brettern vernagelt oder bereits zusammengefallen, in den ungepflegten Gärten stehen ausgeschlachtete Autos, ausrangierte Möbel oder anderer Unrat liegen herum. An den Straßen stehen zwielichtige Gestalten alleine oder in Gruppen herum. Google Streetview hat diese Viertel nicht aufgenommen und wir machen das auch nicht.

Mississippi bei Greenville

Am Mississippi liegen Kasinos vor Anker, Glücksspiel ist auf festgemachten Schiffen erlaubt im Staat Mississippi. Der Staat ist einer der ärmsten und konservativsten Staaten in den USA, das Schulsystem ist schlecht und der Ausbildungsstand und das Durchschnittseinkommen der Bevölkerung sind gering. In den Schulen werden Schüler von den Lehrern geschlagen, das ist zwar in einigen Staaten legal, aber hier kommt es auch häfig vor (paddling). Dafür gibt es  viele und erstaunlich gepflegte Kirchen, wir sind im Zentrum des “Bibel Belt”. An den Kirchen, an denen wir entlang des Highway 61 am Vormittag vorbeifahren, sind die Parkplätze voll. Armut, geringe Bildung, Paddling, volle Kirchen, Blue Mississippi. Ein trauriger Staat.

Die traurige Stimmung wird verstärkt von nebligem und trübem Wetter, wobei auf unserer Route nach Süden das Klima wärmer und feuchter geworden ist. Nachdem wir in Memphis tagsüber gefroren haben und gestern zumindest noch nachts, wird Temperatur ab heute (hoffentlich) kein Thema mehr sein.

Bei Vicksburg beenden wir unsere Fahrt für heute. Hier hat eine wichtige Schlacht im Amerikanischen Bürgerkrieg stattgefunden, die Nordstaaten haben die Südstaaten besiegt und die Kontrolle über den Mississippi errungen.

e. vor der "Old Vicksburg Bridge"

Schubschiff auf dem Mississippi

e. als PSD

 

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Tom Lee was a Very Worthy Man

Tom Lee war ein sehr ehrenwerter Mann, er hat – obwohl er nicht schwimmen konnte – nach einem Schiffsunglück auf dem Mississippi im Jahr 1925 mit seinem kleinen Boot in mehreren Fahrten insgesamt 32 Menschen das Leben gerettet. Er ist ein Held der Stadt Memphis und deswegen ist ein Park direkt am Fluss nach ihm benannt, und deswegen auch wurde ein Gedenkobelisk für ihn errichtet.

Panorama - Tom Lee Park

 

Das ist aber nicht alles, was über Tom Lee gesagt werden muss und daher liest sich die Inschrift auf dem Obelisken so: “Tom Lee Memorial – A Very Worthy Negro”.

Tom Lee - a Very Worthy Man

Zur Ehrenrettung seine drei Dinge erwähnt, erstens haben sich die Geretteten ein Leben lang sehr dankbar gezeigt (die ganze Geschichte hier), zweitens war zumindest die Bezeichnung “Negro” früher nicht politisch falsch (wie heute und wie heute und damals “Nigger”) und drittens hat die Stadt Memphis ebenso wie viele ihrer Bewohner heute vermutlich andere Sorgen.

Jeder fünfte Bewohner lebt unterhalb der Armutsgrenze, die Stadt ist in den Kriminalitätsstatistiken auf den unrühmlichen ersten Plätzen und an vielen Stellen sieht es aus wie in einem Dritteweltland. “Do not be in the City when it gets dark”, wir waren gewarnt und haben außerhalb übernachtet. Aber auch tagsüber macht die Sache hier keinen guten Eindruck und wir sind zum ersten Mal mit verriegeltem Auto gefahren und haben uns mit Umsicht bewegt.

Memphis ist auch die Stadt, in der Elvis gelebt hat, “The King”. Sein Anwesen “Graceland” wird jährlich von 600.000 Menschen besucht, zweiter Platz innerhalb der USA, nur durch das Weiße Haus latschen mehr Menschen. Was bedeutet unendlicher Reichtum und weltweiter Ruhm? Werfen wir einen Blick in eine solche Welt, damals.

 

 

 

 

 

 

 

Elvis ist 1977 im Alter von 42 Jahren gestorben. Nachdem versucht wurde, seinen Leichnam zu stehlen, wurde er im Garten seines Anwesens bestattet. Er wird bewundert und er ist für viele eine Ikone, auch heute noch. 35 Jahre nach seinem Tod legen fremde Menschen Blumen an seinem Grab nieder. Plastikblumen, ausschließlich.

War er glücklich. Wen interessiert das?

Das Brooks Museum in Memphis ist uns empfohlen worden, und tatsächlich ist es ein guter Ort für Menschen wie uns, deren Zuhause ein Kleinbus ist. Es gibt dort ein sehr gutes Restaurant und die Toiletten sind sauber. Im Zusammenhang mit der losen Sammlung von Skulpturen, Möbeln, Waffen und Bildern von einem Museum zu sprechen, halte ich für einen selbstbewussten Angang.

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Memphis – Platz 3

Jesus is the lord, Do you follow Jesus that close?, God is love, Jesus is Lord, Jesus is the answer, Got Jesus?, God bless America. In einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung werden 90% der Amerikaner als religiös eingestuft, etwas über 60% sogar als hochreligiös.  Für Deutsche sind die Zahlen 70% und 18%. In beiden Ländern bezeichnen sich die meisten als Christen, 76% in den USA und etwa 63% in Deutschland. Wir sind im Bibelgürtel unterwegs, der sich – ohne scharf abgrenzbar zu sein – erstreckt von South und North Carolina bis nach Texas hinein. Es gibt sehr viele Kirchen, noch das kleinste Dorf hat eine, und sie werden (im Gegensatz zu Deutschland) nicht durch Steuern sondern ausschließlich durch Spenden finanziert. Und es gibt sehr viele Autofahrer, die ihren Glauben durch “Bumper Sticker”, also Aufkleber auf der (meistens) hinteren Stoßstange kenntlich machen. Eine textliche Auswahl habe ich Euch eingangs zusammengestellt. Gängig ist natürlich auch das ICHTHYS Symbol, aber das ja in Deutschland inzwischen auch.

Wir sind den ganzen Tag gefahren und schließlich in Memphis angekommen, die nach Gewaltverbrechen je 100.000 Einwohner die drittaktivste Stadt der USA (1. Detroit, 2. St. Louis). Wir sind über den Mississippi einige Meilen weiter gefahren und übernachten im friedlichen West Memphis in Arkansas. Morgen haben wir straffes Programm.

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Atlanta

Bernard Marcus wurde 1929 in Newark in New Jersey geboren und beendete seine Ausbildung mit dem Collegeabschluss. Bei der Baumarktkette “Handy Dan Home Improvement” arbeitete er sich bis ins Management hoch und wurde dann zusammen mit einem Kollegen gekündigt. Daraufhin gründeten beide einen eigenen Baumarkt “Home Depot”, der heute praktisch in jeder größeren US Stadt vertreten ist. “Bennies” Vermögen wird auf 1.500 Millionen US Dollar geschätzt. Bei der Feier zu seinem 60. Geburtstag im Monterey Bay Aquarium kam ihm die Idee, der Stadt Atlanta davon 250 Millionen Dollar zum Bau des weltgrößten Aquariums zu spenden. Das war 1990. Im Frühjahr 2012 dann sind wir auf die Idee gekommen, die Anlage zu besuchen. Damit knüpfen wir im Grunde sinnvoll an Bennies Idee an.

Das Georgia Aquarium beherbergt Walhaie, Belugas, Hammerhaie, Mantarochen und über 100.000 weitere Fische, Fluß- und Meeresbewohner. Das ist nicht zuletzt deswegen spektakulär, weil die Exponate (if so I may call them) selbst von der nächsten Küste eine weite Anreise haben. Die Walhaie sind sogar aus Taiwan eingeflogen worden und das Aquarium ist stolz auf die erfolgreiche Umsetzung des logistisch aufwändigen Projekts.

Wahlhai im Georgia Aquarium

Walhai im Georgia Aquarium

Mantarochen, ebenda

Die Ausstellung ist beeindruckend und die Ausmaße des Hauptbeckens (um das der Rest herumgeplant wurde) sind für den Besucher nicht abzuschätzen. Nach den Grundrisskarten müssen sie gewaltig sein. Ebenso ist eine Delphinshow Teil des den Besuchern gebotenen Programms. Wir fanden sie furchtbar und sofern die Tiere tatsächlich Freude an der Teilnahme haben (das wurde behauptet, ich bezweifle es), ist es immer noch schade um die Zeit.

Es gibt auch Seeotter aus Kalifornien und das Aquarium hält Kapazitäten frei, um im Rahmen der Kooperation mit dem Monterey Bay Aquarium zusätzlich “gestrandete” Tiere aufzunehmen. Der Transport in einer Hundebox im Flugzeug ist unproblematisch.

Im Verlauf der weiteren Fahrt Richtung Memphis haben wir die EST verlassen, die Eastern Time Zone, damit haben wir eine weitere Stunde gewonnen und der zeitliche Abstand zu Deutschland erhöht sich auf -7 Stunden (also hier zu Deutschland nachlaufend). Der aktuellen Central Time Zone (CST) werden noch folgen die Mountain Time Zone (MST) und schließlich die Pacific Time Zone (PST). Zusätzlich zur EST haben wir auch Georgia verlassen, wir sind jetzt in Alabama.

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R.E.M. – Rapid Eye Movement

Wir haben es gestern bis Athens geschafft, der Heimatstadt der Gruppe R.E.M. Unser erster Besuch galt dem Baum, der sich selbst gehört. Ein Professor Jackson liebte den Baum so sehr, dass er ihm in seinem Testament den Boden vermachte, auf dem er steht. 1890 berichtete eine Lokalzeitung darüber und seitdem ist der Sachverhalt akzeptiert. Es wird vermutet, dass rein rechtlich der Baum auf städtischem Grund und Boden steht, jedoch würde sich die Stadt einer Sehenswürdigkeit berauben, räumte sie das ein.

In Athens sind auch die Botanischen Gärten des Staates Georgia, unser zweiter Anlaufpunkt. Die Gärten haben sichtbar viel Potential, aber es ist Winter und sie können es nur stark gebremst entfalten. Im Wintergarten der Anlage empfing uns ein älterer Herr mit folgenden Worten: “Ist es nicht ein herrlicher Tag heute? Ich mag diese kalten und sonnigen Wintertage, sie machen einfach, dass man sich gut fühlt.” (Übersetzungen sind selten treu und schön, diese hier ist treu). Er wünschte uns viel Freunde im Wintergarten und verschwand dann gleich um, wie er erläuterte, für einen seriöseren Auftritt kurz sein Namensschild zu holen. Wir trafen ihn wenig später wieder (mit Namensschild, das ihn als Freiwilligen auswies). Er mochte insbesondere die tropischen Fruchtbäume und erzählte, dass er “damals” sein Pampelmusenbäumchen, das besonders große und wohlschmeckende Früchte hervorbrachte (mit extrem vielen Kernen, aber irgendwas ist ja immer) aus seinem Garten in Miami nach Georgia mit umgezogen hat. Das Haus hat er verkauft, als er ins Altersheim ging und als er einige Zeit später an seinem früheren Haus vorbeischaute, hatte der neue Eigentümer sein Bäumchen gefällt, um Platz für eine Schaukel zu schaffen.

Quiltausstellung im Wintergarten des Botanischen Gartens

 

"Blutende Herzen" eine der Lieblingsblumen der Hummingbirds

 

Die Anlage der Botanischen Gärten

 

 

 

 

 

 

 

Die Band R.E.M. hatte bei Wuxtry Records, einem Plattenladen in der Innenstadt von Athens ihre Anfänge, hier hat Peter Buck gearbeitet und darüber Michael Stipe kennengelernt. Wäre das nicht gewesen, hätten wir heute die beiden Schallplatten hier nicht kaufen können (Schallplatten sind analoge Tonträger aus Vinyl, die Vorläufer der CD).

In Erinnerung an das gemeinsame R.E.M. Konzert: Viele Grüße von e. an Annemarie.

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Abschied vom Atlantik

Nun sind wir heute morgen aus Bluffton aufgebrochen, Schade einerseits und andererseits, schön, dass wir es gefunden hatten und für einige Tage dort sein konnten. Die Fahrt ging zunächst an den Atlantik, zum Abschied sozusagen. Ab hier geht unsere Reise gen Westen. Entspannt schaffen wir das in 20 Tagen, hat e. überschlagen. Es war mir nicht möglich herauszufinden, wie lange die ersten Siedler für die Strecke gebraucht haben könnten. Zunächst sind die wenigsten von direkt der Ost- zur Westküste aufgebrochen, weil schon im Gebiet östlich des Mississippi genug Land vorhanden war. Ab 1869 gab es die Transkontinentale Eisenbahnverbindung, damit dauerte die Fahrt 7 Tage. Schon davon 1855 war in Panama eine Eisenbahnverbindung zwischen der Ost- und der Westküste fertiggestellt worden und erhöhte die Attraktivität der Fahrt mit dem Schiff dorthin, einer anschließenden Tagesreise mit dem Zug und schließlich die Schiffsfahrt an die amerikanische Ostküste, zwei Monate reine Reisezeit ohne Wartezeit auf Schiffsverbindungen. Die Zeit der Pioniere auf Planwagen war hauptsächlich in den 1840er Jahren. Es wird geschätzt, das etwa 400.000 Siedler im wesentlichen auf dem sogenannten Oregon-Trail an die Westküste kamen. Dieser Pfad führte aus dem Gebiet des heutigen Missouri über die Rocky Mountains nach Oregon oder Kalifornien und dauerte etwa 140 bis 170 Tage. Sechs Monate auf dem Planwagen.

Unser Planwagen ist ein Mazda Kleinbus, die Route wird von Smartphone berechnet und nachts sind wir im Motel. Angriffe von Indianern sind unwahrscheinlich. Es heißt, dass viel hinter sich hat, wer in Kalifornien ankommt. Das ist sicher auch heute noch so, aber es ist weniger geworden.

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Check Engine Light

Wir haben unseren Aufenthalt in Bluffton um einen Tag verlängert und entweder fahren wir morgen weiter oder wir bleiben für immer hier. Es ist einfach eine sehr schöne Gegend. Peter und Lucy sind unsere Gastgeber. Vor 16 Jahren sind beide aus Washington hierher gezogen, das Grundstück war vollkommen überwuchert und das Herrenhaus in sehr schlechtem Zustand. Das Gästehaus haben sie beim Aufräumen des Grundstücks nach einigen Tagen unter Ranken gefunden, es war beim Verkauf nicht erwähnt worden. Sie haben es an die heutige Stelle versetzen lassen.

Kommen wir zu einem anderen Thema, der Mazda. Die “Check Engine” Leuchte ist wieder an und bitte glaubt mir, nach dem Tanken, beim Zuschrauben, da gebe ich alles. Daran wird es also nicht liegen. Der Mazda fährt gut und dennoch, wir haben ihn heute zu einem Mazdahändler in Savannah gebracht, die haben die Karre zwei Stunden lang untersucht, die Checkliste geht über zwei Seiten und der Wagen ist in gutem Zustand. Grund für die Leuchte ist der rechte Katalysator, den werden wir in Kalifornien austauschen müssen. Unser Servicebetreuer Kai gibt sich viel Mühe mit uns. Hinter ihm steht der zuständige Mechaniker, er hat eine weitere Anmerkung, ich kann ihn kaum verstehen. Hinter uns steht ein weiterer Kunde und wartet. Kai fragt, wo wir her sind, er ist auch in Deutschland geboren, seine Mutter kennt er nicht, sein Vater ist bei der Army. Sein Chef schaltet sich ein, sein Vater war Deutscher, beide finden Deutschland super. Der Chef weist Kai an, die Anmerkungen des Mechanikers mit in den Bericht aufzunehmen, das sei nur eine Kleinigkeit, könne aber gleich mitgemacht werden. Wir sollten uns dazu an die Firma Midas wenden, die seien viel preiswerter als Mazda. Kai möchte wissen, ob wir saure Gummibärchen kennen, er sei verzweifelt, die in den USA zu finden. Wir schreiben ihm die Haribo-Homepage auf. Wir wünschen ihm Glück bei der Suche, Chef, Kai und Mechaniker wünschen uns eine sichere Reise. Der Kunde hinter uns wollte nur seine Autoschlüssel abholen. Vordrängeln ist nicht in Amerika, auch nicht, wenn man nur eine Kleinigkeit hat.

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Is this paradise?

Der geneigte Leser wird sich noch daran erinnern, dass wir letzte Nacht das schon bezogene Zimmer im Motel 6 aufgegeben haben und nach Kingsland in Georgia weiter gefahren sind. Es ist also wenig überraschend, dass wir dort auch an Tag 6 unserer Reise aufgewacht sind, in einem geräumigen Zimmer mit Küchenzeile und Mikrowelle aber ohne Herd. Vermutlich ist es wichtig sich freizumachen von dem Wunsch, alles verstehen zu wollen. Anyway, Frühstück war inklusive und wer schon für Eindollarfünfzig ein Fass aufmacht, der greift auch das Hotelfrühstück ab. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss, das hier first floor heisst. Unser Zimmer im third floor war also im zweiten Stock. Eigentlich hätten wir echt laufen können… aber wir haben intuitiv gehandelt und third floor hört sich nach zu vielen Stufen an. Nach einem abrupten Stop und einem hellen Glockenton schiebt die Fahrstuhltür auf und gibt den Blick frei auf den prominent in der Lobby platzierten automatischen Massagesessel, den ich mir schon am Abend vorher gemerkt hatte. Nun aber war er direkt besetzt von einer Dame in ihren besten Jahren, die genauso überrascht schien wie ich, wie ruppig der Massagesessel zur Sache ging. Was nicht fest war, schwang ordentlich hin und her. Von Würde konnte da keine Rede mehr sein. Als wir mit dem Frühstück fertig waren, nahm gerade ein drahtiger Mann im Massagemonster Platz und langte nach dem Bedienpanel. Die eingangs beschriebene Szene hatte er nicht beobachtet. Das kann ich daran festmachen, dass er seinen Kaffeebecher dabei hatte und wohl gedachte, den bei einer sanften Massage zu leeren. Wie das ausgehen würde war klar, wir konnten also aufbrechen.

Das Ziel für den Tag war Bluffton etwas nördlich von Savannah. Dort hatte e. kurzfristig ein kleines Gästehäuschen aufgetan, dass wir für zwei Tage gemietet haben. Das Häuschen ist charmant eingerichtet und die Gegend ist reizvoll. Die Nachbarn grüßen, es gibt keine Zäune und das Gästehaus abzuschließen ist nicht vorgesehen, es gibt keine Schlösser. Das Grundstück liegt an einer Bucht zum Atlantik und zu den Nachbarn ist weiträumig Platz. Aus den mächtigen alten Bäumen hängt in langen Bärten Spanisches Moos herab, dazwischen lichte Hecken, blühende Sträucher, verwunschene Wege und einladende Sitzgelegenheiten. Ein Steg führt hinaus zu einem kleinen Pavillon auf dem Wasser.

Lucy ist die Besitzerin, sie ist sehr freundlich und führt uns herum. Ich bin beeindruckt und frage mich: ist hier das Paradies? Lucy sagt nein, “that’s next door.” Humor ist mindestens notwendige, vielleicht sogar hinreichende Bedingung für das Paradies, denke ich.

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Ankunft in Georgia

Beim Einchecken in das Quality Inn in Titusville am Abend vorher ist mir ein grober Fehler unterlaufen. Während die freundliche Dame an der Rezeption meine Daten aufnimmt, lese ich auf dem Schalter ein Schild “If you do not need the safe we will refund you 1,50 USD”, ich bitte darum. Ratlosigkeit und hektisches Herumklicken am PC bei der freundlichen Dame. Bald schon sage ich, es sei auch nicht so wichtig. Die freundliche Dame ist in das Problem vertieft und nimmt meinen Einwand kaum wahr: “No Sir, we want you to be happy!” An der Stelle sind zwei Dinge passiert: Ich habe bemerkt, dass ich einen Fehler gemacht habe und ich wurde fortan nicht mehr beachtet. Es dauert. Die freundliche Dame ruft eine resolute Dame zur Hilfe. Die klickt schon viel selbstsicherer, kommt aber auch nicht weiter. Von mir wird nur noch in der dritten Person gesprochen, ich bin “the customer”. Es dauert. Und es ist nichts zu machen, ich bekomme die Zimmerschlüssel nur noch mit den 1,5 Dollar. Es wird telefoniert. Ich bin müde und bald wirklich nicht mehr “happy”. Aus einer Tür hinter der Rezeption kommt eine genervte Dame, die Chefin mutmaße ich. Kurzer Blick in den Monitor, einige kurze Anweisungen und es geht voran. Ich muss Zettel unterschreiben und bekomme die Zimmerschlüsse. Gerade kommt e. in die Rezeption, sie hat das Warten im Auto aufgegeben und verlangt zu wissen, was hier so lange dauert. Die freundliche Dame ist vollkommen mit den Nerven runter. Vom Zimmer rufen wir sie gleich wieder an, das Zimmer ist dreckig, wir wollen ein anderes. Beim Frühstück am nächsten Tag habe ich die freundliche Dame nicht mehr gesehen. Hoffentlich nur der Schichtwechsel.

Es ist ein sonniger 5. Tag, merklich kühler schon. Wir wollen zum Kennedy Space Center auf Cape Canaveral. Von hier starteten die Mondmissionen und die Space Shuttles. Ebenso starten die Amerikaner von hier ihre Satelliten. Die Raketen müssen ihre Endgeschwindigkeit so entwickeln, dass der Bogen, mit der die Satelliten und die Raumfähren durch die Schwerkraft auf die Erde zurückfallen genau so groß ist, wie die Erdkrümmung (minimal größer strenggenommen: Der Radius der Flugbahn ist um die Flughöhe größer als der Radius der Erde). Damit ist am Satellit die Fliehkraft genauso groß wie die Erdanziehungskraft. Die benötigte Geschwindigkeit ist hoch (und abhängig von der Flughöhe des Satelliten). Es ist daher von Vorteil, Satelliten möglichst nah am Äquator und in Richtung Osten abzuschießen, um ihnen die Drehbewegung der Erde als Startgeschwindigkeit mitzugeben. (Die Europäer starten ihre Satelliten in Französisch Guayana, noch näher am Äquator).

Das Kennedy Space Center ist einen Besuch wert, wenngleich an einigen Stellen Information zugunsten von Pathos aufgegeben wurde. Die Katastrophen werden nicht erwähnt. Gut gefallen hat mir ein 3D Film über die internationale Raumstation mit beeindruckenden Bildern und Einblicken in die Arbeit und die Stimmung an Bord der ISS. Die Besatzungen sind  für ein halbes Jahr dort.

e. im Rocket Garden

 

 

 

 

 

 

Tikay im Rocket Garden

Konsolen der Mondmissionen

 

 

 

 

 

 

 

Bewaffnet mit jeweils einem Kaffee steuerten wir Diego auf der Interstate 95 Richtung Norden. Bei Jacksonville haben wir in ein Motel 6 eingecheckt. Es kam uns gleich komisch vor. Kaum jedoch hatten wir das Zimmer bezogen, setzte Ghettomucke ein, komische Gestalten, große Karren mit getönten Scheiben. Ich bat die Crew am Empfang um Stornierung und war auf Diskussionen eingestellt. “Sorry that we could not meet your expectations” und “We apologize for your inconvenience” bekam ich zu hören, während ich den Zimmerpreis zurück erhielt. Eine halbe Stunde später lagen wir 25 Meilen nördlich in Kingsland in Georgia im Microtel Inn und waren zufrieden. Den ersten Bundesstaat haben wir geschafft.

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