Der Hausrat ist da

Liebe Leser und Freunde der Easy-Reading-Reiseerzählungen. Ist doch so, oder? Also, ich bemühe mich jedenfalls, Texte zu präsentieren, die sich einfach so weglesen. Niedrige geistige Aktivität ist das Kriterium. Wer also noch immer mitliest, der hat daran gefallen gefunden oder einfach noch nicht bemerkt, dass er als Text-Goumet hier nichts verloren hat.

Was ich eigentlich ankündigen wollte: Wir haben einen Bereich für Fragen aus der Leserschaft eröffnet. Was ist im Blog bisher zu kurz gekommen, was wollt Ihr wissen? Der Fragesteller bleibt anonym (unabhängig von gesetzten Häkchen). Hit us with questions! Oben links, rechts neben der Reiseroute.

Die Interstate 10 schlängelt sich von Lordsburg zwischen den Bergen nach Tucson (das “c” wird nicht gesprochen). Die Landschaft ist Wüste, dazwischen Berge, studenlang, wie gestern auch schon.

Interstate 10 - forever

Gewarnt wird von lokalen Staubstürmen und da ist er auch schon:

 

 

 

 

Hinter der Grenze zu Arizona beginnt de Sonora-Wüste und wir sehen die ersten Saguaro-Kakteen, für mich das Sinnbild überhaupt für die Wüste.

Saguaro im Saguaro National Park

 

 

 

 

 

Saguaro (iH) etwa 200 Jahre alt

 

Im Saguaro National Park

 

Golden Gate Bridge

Was ist das? Sind wir da? Nein, wir nicht, aber etwa eine Kilotonne Hausrat aus Kleinmachnow ist heute unter der Golden Gate hindurchgefahren. Es wäre die Ausnahme, wenn der Container ohne Röntgen durch den Zoll kommt. Die Kosten dafür tragen wir, dafür natürlich wissen wir, dass die Möbel gesund sind.

Und noch etwas kennzeichnet den heutigen Tag, Diego hat runden Geburtstag. Wollt Ihr Details? Ihr wisst ja, wo ihr fragen könnt.

Posted in Uncategorized | 5 Comments

Roadblock

Die Nacht waren wir im Super 8 Motel in Alamogordo am westlichen Fuß der Sacramento Mountains sehr gut untergebracht. Zunächst ging bei mir das Wlan nicht, woraufhin der Hotelmanager persönlich sich der Sache annahm und mich mit beachtlichem Sachverstand auf dem Gebiet beeindruckte. Schließlich aber kam er auch nicht weiter, zog genervt kurz den Stecker an seinem Router und von da an gab es keine Probleme mehr. Sachverstand hält nur unnötig auf.

Von Mexiko aus erstreckt sich die Chihuahua Wüste in die USA in die Ebenen zwischen den verschiedenen Gebirgen im Bundesstaat New Mexico hinein. Zwischen den Sacramento Mountains und den San Andreas Mountains und westlich von Alamogordo liegt das White Sands National Monument (ebenso Teil der Chihuahua Wüste), das wir heute besucht haben.

Reliefkarte 25. Reisetag - White Sands in Gelb

Die Landschaft ist eine Sensation und wir sind stundenlang in der brütenden Sonne herumgelaufen.

 

Der Nationalpark ist umgeben von militärischem Testgelände, in dem die erste Atombombe (Triniti-Test) gezündet wurde. Der Geist war aus der Flasche und mindesten drei Mal kurz davor, die Menschheit zu vernichten. Das Risiko ist inzwischen gesunken, aber der Geist wird bleiben und er hat Zeit.

Die weitere Fahrt ging entlang der Interstate 10 über die San Andreas Mountains nach Las Cruces und weiter über Deming nach Lordsburg. Die Wüste ist flach, bietet dem Auge wenig Zerstreuung, die Berge scheinen am Horizont fest wie Kulissen aus Pappe. Die Sonne brütet, es geht stur geradeaus, Stunde um Stunde.

Hinter Deming hat die Polizei eine Straßensperre aufgebaut und kontrolliert die Autofahrer. Das wird von den Amerikaner nicht gerne gesehen. Amerikaner misstrauen staatlicher Autörität. Daher ist z.B. die Polizei einerseits örtlich stark fragmentiert, es gibt nicht nur soetwas wir eine Bundespolizei (FBI) und der Polizei der Länder (Highway Patrol oder State Trooper) womit sich das in Deutschland erschöpft. In den USA geht es weiter mit den Polizeikräften der Städte (NYPD, LAPD, SFPD, um prominente Beispiele zu nennen), der Landkreise dazwischen (Sheriff), der Nationalparks (Ranger), der Hochschulen, der Eisenbahngesellschaften und so weiter (hier hört es bei mir auf, aber noch nicht bei den amerikanischen Polizeibehörden). Die Polizei darf die Bürger der USA nicht ohne Grund anhalten und kontrollieren. Eine Roadblock hat nun zumindest den Vorteil, dass der Amerikaner mit seinem Wagen schon steht. Der Officer hat in der Situation das Recht, den Führerschein und die Versicherungspapiere zu sehen, für mehr braucht er einen Grund. Das könnte sein: Zu schnell, deutlich zu langsam oder Schlangenlinie gefahren, Hasch liegt offen im Auto herum, die Leiche ragt aus dem Kofferraum heraus, eine Kombination aus den dreien oder ganz andere Themen in der Liga. In allen anderen Fällen kann jede Zusammenarbeit verweigert werden: “Officer, please understand that I don’t care to discuss my affairs.”, ist eine zulässige Antwort auf jede Frage des Officers. Auf die Frage “Am I free to go?” muss der Polizeibeamte den Bürger ziehen lassen oder den konkreten Verdacht nennen, der eine Verhaftung rechtfertigt.

Posted in Uncategorized | 2 Comments

Der Schalk

Gestern hatten wir das Zimmer in unserem Motel in Midland noch für annehmbar befunden. Über Nacht aber ist die Toilette ausgelaufen und irgendwie, ach was solls, unser Zuhause ist Diego. Die Reise ging zunächst gen Norden und Texas hat uns damit beeindruckt, dass selbst auf den kleinen zweispurigen Landstraßen Tempo 75 erlaubt war, also 130 km/h. Da amerikanische Tachos die Geschwindigkeit recht genau anzeigen und deutsche eher zu viel (“Tachovoreile” ist das Fachwort, 10% + 4km/h sind zulässig. Ist doch klar, dass in Deutschland auch “ungenau” genau geregelt ist), ist das vergleichbar mit Deutschen 145 km/h und schon sehr ordentlich. Sehr ordentlich ist auch, was einem da so alles entgegenkommt an z.B. LKW mit Überbreite und Häusern in Gänze oder in Teilen. Ein Badezimmer zog an uns vorbei, ja, was soll man dazu sagen. Häuser zu versetzen ist für einen Amerikaner absolut im Raum des Vorstellbaren und für kleine Häuser auch im Raum der Möglichkeiten. Die meisten Häuser im Süden stehen etwas erhöht sozusagen auf niedrigen Stelzen, damit Luft darunter hindurchziehen und die Wohnräume kühlen kann. Diese Stelzen sind dann zwar fest mit einem Fundament verbunden, dennoch ist es möglich, diese wieder zu lösen. Hinzu kommt, dass Holzgebäude auch nicht zu schwer sind, mit dem LKW weggeschafft zu werden. Bei einem deutschen Einfamilienhaus mit Keller ist die Herausforderung größer.

Der Ilano Estacado ist dem Leser der Reiseerzählungen von Karl May bekannt. Er beschreibt die Ebene als brettebenes Hochland, in dem zur Orientierung der Reisenden Pfähle in den Boden getrieben wurden, damit sie sich nicht verlaufen (“Staked Plains”). Diese Pfähle seien dann von Banditen umgesteckt worden, um Reisende ins Verderben zu treiben und zu einer leichten Beute zu machen. Belegt ist beides nicht, weder Pfähle noch Umstecken.

Die Hochebene ist allerdings poliert flach, die Straße geht geradeaus und es gibt für den Fahrer wenig zu tun. Die Vegetation ist noch spärlicher geworden, es  wächst kaum etwas außer wenigen Sträuchern und etwas trockenes Gras. Handyempfang gibt es nur noch in den Städten, Verkehr auch. Wir überqueren die Grenze zu New Mexico und haben wieder eine Stunde Zeit gewonnen, der Abstand zu Deutschland sind nun 8 Stunden. Mit diesem kleinen zeitlich Kniff schaffen wir es pünktlich zur Mittagszeit in das Dörfchen Artesia. Wir finden ein Italiener, der von Mexikanern betrieben wird. Das Essen war hervorragend und hätte in Berlin bestehen können. Richtung Westen geht es Meile über Meile weiter über die Hochebene, die in dieser Richtung minimal ansteigt und schließlich in die Berge beim Lincoln National Forest übergeht. Plötzlich sind wir mit Schnee konfrontiert und sind auf 2.600 Metern Höhe. Wir hatten gar nicht bemerkt, wie hoch wir gestiegen waren und wie kalt es geworden war. Unser erster Schnee dieses Jahr. In New Mexico. Na klar, wo sonst. Der Abstieg in die Tiefebene bei Alamogordo ist deutlich steiler, am Horizont können wir “White Sands” erkennen, das eigentliche Ziel für heute. Es wird dunkel, wir werden es nicht schaffen und bleiben in Alamogordo.

Von Artesia nach Alamogordo, White Sands ist Yellow:

 

 

In Osten New Mexicos ebenso wie im Westen Texas gibt es drei Dinge in großer Fülle: Unendlich gerade Straßen, Ölförderanlagen und zusammengeschossene Verkehrszeichen.

 

 

 

e. und ich vermuten, dass Diego noch nie Schnee gesehen hat. Er tollte ausgelassen herum, benahm sich albern und war nicht zu bremsen. Nur für das Foto stellt er sich dann da hin als ob er kein Wässerchen trüben könne.

 

 

Diego, Diego! Lasst Euch von dem Schalk nicht täuschen!

Posted in Uncategorized | 3 Comments

Howdy!

“How do you do?” ist eine formale Begrüßungsformel, “Howdy” entstand daraus über den Zwischenschritt “How do ye?” und gilt als Südstaatenslang. Ich habe es in Texas zum ersten Mal gehört.

Entlang unserer Fahrt in Richtung Westen ist Texas heute trocken geworden. Die Laub- und Mischwälder haben den Platz geräumt für anspruchslose Sträucher und (an wenigen Stellen nur noch) die Landgrasprärie. Mexiko ist nah, es wird mehr Spanisch gesprochen und auch vieles zusätzlich in Spanisch ausgeschildert. Das heisst, wenn überhaupt gesprochen wird, denn das Land zunehmend dünn besiedelt. Auf der Interstate 10 (das Rückgrat unserer Reise durch die Staaten) sind 80 Meilen pro Stunde (ca. 130 km/h, aber “echte”) erlaubt. Nirgendwo sonst darf in den USA schneller gefahren werden. Da kann auch nicht viel passieren, denn wo keiner redet, fährt auch niemand, es ist leer auf der Interstate im westlichen Texas. Die Gegenfahrbahnen sind nicht durch Leitplanken gegeneinander gesichert, sondern einfach durch die Weite des Raums dazwischen. Wir müssen die Reise ab hier sorgfältiger planen im Hinblick auf Tanken, Essen und Übernachten.

Auf dem Programm standen für uns heute die “Caverns of Sonora”. Die Anlage wirkte verlassen, wir waren die einzigen Gäste heute und hatten unsere private Führung. Die Luft war stickig, warm und feucht und wir sind zwei Stunden in den Höhlen herumgelaufen, aber es hat sich gelohnt, die Stalagmiten, Stalagtiten und besonders die “helicitites” sind sehr beeindruckend.

Nach der Besichtigung haben wir es knapp mit dem Sonnenuntergang in die nächstgrößere Stadt Midland geschafft. Hier kommt George W. Bush her und wir fahren morgen früh gleich weiter.

Posted in Uncategorized | 2 Comments

Austin, TX

Die Amerikaner sind so faul sind die. Drive-Through Geldautomaten, wenn es Dekadenz gibt, dann in dem Wagen davor. In den Augen eines Europäers ist das ein No-go. Vielleicht sogar ein Nonono-go. Obwohl, praktisch ist es ja schon, einfach ranfahren und Geldabheben. Geht natürlich gar nicht. Aber es ist eben bequem. Und vielleicht setzt sich das bei mir durch, zumindest manchmal. Ja, denn warum soll ich beim Geldabheben stehen? Es ist schließlich mein Geld. Nein, ich glaube nicht, dass ich je wieder stehen werde. Das sehe ich einfach nicht.

Austin ist die Hauptstadt von Texas, das politische Zentrum eines der eher konservativen Staaten der USA, aber was ist das? Austin ist eine liberale Insel, die Stadt ist studentisch geprägt, wir sehen schwule Pärchen händchenhaltend in der Öffentlichkeit, Punks mit grünem Irokesen, wir laufen durch alternative Künstlermärkte und szenige Kneipengegenden. Die Stadt ist grün und umgeben von Flüssen und Seen. Rund 800 Tausend Einwohner hat Austin, wir können gut verstehen, wieso die hier leben.

Austin, TX

Erstes Grün im Botanischen Garten in Austin

 

Büffel auf der Ranch von LBJ

Wir verlassen Austin Richtung Westen, die Landschaft wird hügelig und trockener. Wir haben die ersten kleinen Kakteen gesehen. Hier scheinen sich viele deutsche Einwanderer niedergelassen zu haben, es gibt Restaurants mit deutscher Küche, deutsche Straßen- und Familiennamen hauptsächlich um die Stadt Fredericksburg herum. Lyndon B. Johnson wurde hier geboren und hat hier gelebt, seine Ranch ist heute ein Museum. Lyndon B. Johnson wurde nach der Ermordung Kennedys als 36. Präsident der USA vereidigt und ist anschließend regulär für eine Amtszeit gewählt worden. Er war Demokrat und hat die Bürgerrechte der Afroamerikaner verbessert wie keiner vor ihm. Er hat den ersten afroamerikanischen Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten mit (unter anderen) folgenden Worten ernannt: “The right thing to do, the right time to do it, the right man and the right place.” Ein Demokrat und Texaner.

Posted in Uncategorized | 4 Comments

Shiny Diego

 shiny  adj.  glänzend

Heute morgen bin ich zum ersten Mal alleine Auto gefahren. Also, in Amerika jedenfalls. Für Diego hat e. eine Waschstraße herausgesucht, die gute Bewertungen bekommen hatte, und dann hat sie mich mit einem klaren Auftrag losgeschickt: Außen gewaschen, innen gesaugt. Von der Straße aus sah “Mr. Clean Car” aus wie eine gewöhnliche Waschstraße. Die Einschätzung war falsch. Das merkte ich, da kaum auf dem Gelände angekommen ein junger Mann mit Klemmbrett ans Autofenster trat und mir anbot, für 20 USD bekäme ich das Auto vollständig innen gesaugt und gewischt, außen gewaschen, Fenster geputzt und Felgen gereinigt. Kaum hatte ich eingewilligt, hielt er mir auch schon die Autotür auf und wies mich an, den Schlüssel stecken zu lassen. Was nun kam, war die sogenannte chinesische Methode: Möglichst viel Personal. Diego wurde hochdruckgesaugt, durch die Waschstraße geschoben, trockengerubbelt und an kritischen Stellen (Spiegel, Türrahmen, unterhalb der Scheibenwischer) von Hand nachbearbeitet. 10 Minuten, und was soll ich sagen, das Auto ist jetzt echt “shiny”.

Nach nun etwa einem Monat in den USA haben wir auch etwa die Hälfte der Reise geschafft. Gestern haben wir uns in Galveston vom Golf von Mexiko verabschiedet, und ab heute fahren wir im Landesinneren bis zum Pazifik. Das Gebiet von Florida bis in den Norden nach Maryland und Richtung Westen bis etwa zur Hälfte von Texas ist entlang der Küstenstaaten geprägt von subtropischen Feuchtwäldern, ausgenommen die Everglades und die Gebiete unmittelbar östlich und westlich des Mississippi, wo wegen der Bodenbeschaffenheit Sumpfwälder vorherrschen. Im weiteren Verlauf der Reise wird die Vegetation sehr viel häufiger wechseln.

Ebenso hatte unsere Reise bisher wenig Höhe, wir waren fast ausnahmslos im Flachland unterwegs. In South Carolina sind wir durch die südlichen Ausläufer der Appalachen gefahren. Aber das Gebirge ist 400 Millionen Jahre alt und daher schon weitgehend erodiert und nicht besonders hoch. Interessand fand ich, dass die Appalachen älter sind als der Atlantik, der erst vor etwa 150 Millionen Jahren entstand. Geologisch gehören die Grampian Mountains in Schottland und die Appalachen zusammen.

Für die Siedler waren die Appalachen die erste Hürde auf dem Weg nach Westen. Der Mississippi die zweite, die Rocky Mountains die dritte. Wer nach Monaten am Pazifik ankam, der hatte viel hinter sich. Und vermutlich hatte er bis dahin auch andere Sorgen als einen shiny Planwagen.

Posted in Uncategorized | Comments Off on Shiny Diego

1,5 oder “One and a half”

Pelikan, schon wieder …

Texas. Ländliche Weiten, gelegentlich eine Ranch oder eine Ölquelle. Selten ein Dorf, der Saloon ist das zentrale Gebäude, davor Männer mit Cowboyhüten, Sporen, und gelegentlich einem umgehängten Gewehr. So sah meine Vorstellung von diesem Staat aus. Trifft nicht vollständig zu. Texas ist ein moderner Industriestandort, das Bruttosozialprodukt nur dieses Staates ist auf dem Niveau von Russland oder Indien. Texas gilt als einer der Unternehmerfreundlichsten der USA. Einkommensteuer wird keine erhoben und die Umsatzsteuer liegt bei 6,5% (die Counties können darauf noch bis zu 2% zusätzlich erheben, also insgesamt maximal 8%). Texas hat aber auch über 400 Menschen seit 1976 (Wiedereinführung der Todesstrafe) hingerichtet, so viel wie kein anderer Staat der USA.

FedEx hat uns unsere Kennzeichen gebracht. Richtig geglaubt haben wir daran nicht. Mir war klar, dass es schneller und direkter geht als die 17 Tage, die wir bis hierher benötigt haben, aber *so* schnell? Die Sache beeindruckt mich und ich möchte dazu aufrufen, an folgendem Gedankenexperiment teilzunehmen: Wir kaufen ein Auto in Deutschland, um damit nach Portugal zu fahren. Mit dem Kauf müssen wir die Umsatzsteuer zahlen, die portugiesische versteht sich. Dann fahren wir los, mit roten Kennzeichen. Irgendwo vielleicht bei Bordeaux laufen die Kennzeichen ab, wir rufen wir den Händler an und verlangen die Zusendung neuer Kennzeichen bis zum nächsten Tag. In Portugal angekommen kümmert sich der Händler (aus Deutschland!) um die Zulassung, den TÜV und HU des Fahrzeugs in Portugal und natürlich sorgt er dafür, dass wir die endgültigen Kennzeichen nach Hause geschickt bekommen. Die Amerikaner sind fett und müde? Na klar.

One and a half seater. Und neue Kennzeichen.

Mein Urgroßvater pflegte zu sagen: “Die Ente ist ein komischer Vogel. Für einen zu viel und für zwei zu wenig.”

Ich möchte Euch heute ein Möbelstück vorstellen, für das das auch gilt: Der “One-And-A-Half-Seater”, Mutter war ein Sessel, Vater war ein Zweiersofa. Und wie hier für Sofamöbel üblich, ist das ausladende Sitzwunder stoffbezogen und weich wie eine Daunendecke: da kann man sich nur gehenlassen. Das ganz große Kino auf dem Feld “bequem sitzen”. Deutsche Sofas sind aus Leder, kalt, bretthart und wer sich gehenläßt, rutscht gnadenlos runter.

Posted in Uncategorized | 3 Comments

Autofahren in Amerika

Wir sind heute nach Texas eingefahren und haben uns im Feierabendverkehr bis Houston durchgekämpft. Die gebuchte Wohnung ist sehr schön, sehr geräumig und hat einen kleinen Garten. Das schönste aber ist die eigene Küche, gefühlt gehen wir drei Mal am Tag essen, meistens nicht sehr hochwertig, und ich kann nicht mehr. Ich freue mich auch auf Frühstück, eigenen Kaffee und Toast mit Marmelade (die wir seit Hollywood in einer Kühlbox mit uns herumschleppen).

Unser “car dealer” hat uns heute morgen versprochen, dass er die neuen Kennzeichen für Diego nachmittags zu FedEx gibt und dass die uns dann morgen um 11 Uhr hier erreichen. Ich bin gespannt.

Nach der langen Fahrt heute vielleicht also eine kurze Zusammenfassung wie das geht, das Autofahren in den USA? Zunächst ist die Haltung dazu wichtig, wir sprechen über Entspannung auf der höchsten Ebene. Das Auto ist das mobile Wohnzimmer, große Sessel, weiche Federung, Klimaanlage, getönte Fenster, Automatik, Tempomat und der ruhige Lauf des Sechszylinders, der nie hohe Drehzahlen erleiden musste. Gehupt wird nur für den Bekannten am Straßenrand und geblinkt wird im Grunde auch nicht, oder wenn dann jedenfalls ohne Bezug zu irgendwelchen Manövern oder Absichten. Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten für alle (also auch für LKW oder Fahrzeuge mit Anhängern), die Fahrsituation auf dem Highway ist damit praktisch statisch. Es darf rechts überholt und an roten Ampeln darf auch rechts abgebogen werden (sofern es nicht durch ein Hinweis neben der Ampel ausdrücklich verboten wurde und erst nach einem kurzen vollständigen Stop). Aus einer Einbahnstraße in eine Einbahnstraße darf bei Rot übrigens auch links abgebogen werden.

Wer sein Fahrzeug nie durch eine deutsche Altstadt zirkeln oder rückwärts in eine enge Parklücke einpassen musste, der weiß naturgemäß nicht so genau über die eher ausladenden Abmessungen seines mobilen Zuhauses Bescheid. Ebenso gehören die  Grenzbereiche der Physik (Kurvenlage? Bremsweg? ESP?) für einen Amerikaner nicht “ganz natürlich” zum Autofahren dazu. Für gewöhnlich sitzt der Amerikaner am Steuer und ist gelassen (höchstens gelangweilt). Er ist freundlich und nimmt Rücksicht, insbesondere auf Fußgänger. Meiner Meinung nach sind die Amerikaner bei richtiger Gewichtung der Kriterien großartige Autofahrer.

Posted in Uncategorized | 1 Comment

Fääähnseen!

Gestern Abend haben e. und ich zum ersten Mal zwei Stunden vor dem Fernseher gesessen. Es ist nicht so, dass wir dem Medium bisher keine Chance gegeben hätten, es ist bisher in jeder Wohnung und in jedem noch so abgeranztem Motel ein Fernseher vorhanden gewesen. Selbstredend haben wir ein solches Gerät auch schon einmal in Betrieb gesetzt, zum Beispiel in unserer ersten Wohnung in Hollywood. Satellit gab es da, und die Vermieterin berichtete stolz von 700 empfangbaren Kanälen. Mag ja sein “empfangbar” (das haben wir nicht vollständig überprüft), aber “guckbar” war in der Stichprobe nichts.

Gestern nun hat Obama seine Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress gehalten, das war unser Programm. Nach den Reaktionen heute hat er den Nerv der Amerikaner getroffen. Die Rede ist bei Youtube eingestellt, ich kann sie empfehlen. Als Service von CNN wurden in regelmäßigen Abständen im Bild unten einzeilige Kernbotschaften der Rede eingeblendet. Natürlich ist das nicht ausreichend Platz für differenzierte Informationen, die “Kernbotschaften” gerieten also notwendigerweise etwas zu kurz und eher nicht treffend. Und dennoch: ein ein toller Service für alle, deren Gehirn sich beim Nebensatz durch Informationsüberlauf herunterfährt.

Wir sind heute zu lange in New Orleans herumgelaufen, viel zu spät losgekommen und nicht weit genug gefahren. Wir haben zwar ein sehr schönes Hotelzimmer, aber morgen werden wir bis Houston 6 Stunden fahren müssen. Nach Houston müssen wir, weil wir dort für zwei Tage eine Wohnung gebucht haben und eine Wohnung haben wir gebucht, weil wir auf neue Kennzeichen für Diego warten müssen. Unsere sind aus Papier und laufen ab, der Händler schickt uns neue (das war beim Kauf so vereinbart). In Kalifornien muss Diego sich bei CHP (California Highway Patrol) vorstellen und durch den “Smogtest”, dann bekommen wir dauerhafte Plaketten.

Was habe ich die Serie “CHiPs” geliebt, früher, als Fernsehen gerade erst bunt geworden war (zumindest bei uns Zuhause). Heute, so hört man, sei die Serie bei Schwulen beliebt, Polizisten in engen Uniformen und so. Tja, das muss jeder selber wissen.

Posted in Uncategorized | 1 Comment

Puderzucker für alle

Das Land um New Orleans entstand etwa vor 2500 Jahren aus Sedimenten, die der Mississippi anschwemmte. Französische Siedler wählten 1718 eine Anhöhe in diesem Gebiet zur Gründung der Stadt. Die Amerikaner durften in den folgenden Jahren sowohl den Hafen der Stadt als auch den Mississippi durch das französische Gebiet hindurch nutzen. Dennoch versuchte der amerikanische Präsident Thomas Jefferson 1801, die Stadt von den Franzosen zu kaufen. Sein Unterhändler wurde in Paris abgewiesen. 1803 schickte er wieder Unterhändler mit dem gleichen Auftrag zu Napoleon. Denen wurde nun überraschend angeboten, das ganze französische Gebiet und nicht nur die Stadt zu kaufen. Obwohl sie nur bevollmächtigt waren, New Orleans für 2 Mio. USD zu kaufen, willigten sie ein, für 22,5 Mio. USD (heutige Kaufkraft etwa 250 Mio. USD) das gesamte französische Gebiet zwischen Mississippi und Rocky Mountains zu kaufen, der größte Landkauf aller Zeiten, das Gebiet der vereinigten Staaten verdoppelte sich (Details hier).

Die Stadt ist seitdem von etwa 10 auf etwa 340 Tausend Einwohnern gewachsen, die notwendigen Flächen wurden den umliegenden Sümpfen durch Trockenlegung und Eindeichungen abgerungen. Die Stadt steht aber weiterhin auf mehreren Hundert Metern dicken Sedimentschichten, die sich unter dem eigenen Gewicht verdichten und die Stadt jährlich um 8 Millimeter absinken lassen. Das gesamte Stadtgebiet (abgesehen vom French Quarter) liegt tiefer als der Meeresspiegel und wurde überflutet, als die Deiche beim Hurrikan Katrina nicht hielten. Zu dem Zeitpunkt waren noch etwa 50 der ursprünglich 460 Tausend Einwohner in Notunterkünften im Stadtgebiet, hauptsächlich weil sie keine Mittel hatten, der ausgesprochenen “mandatory evacuation” zu folgen. Strom- und Wasserversorgung brachen zusammen, es kam zu einer Tragödie mit vielen Hundert Toten, die tagelang in den Fluten trieben, Seuchen wurden befürchtet, Notstand und Kriegsrecht wurden ausgerufen. Erst nach Tagen konnten staatliche Stellen die Menschen mit Bussen und Flugzeugen aus der Stadt bringen, sie wurden wahllos in den USA verteilt und dabei zum Teil auch Familien getrennt. Die Kritik an dem Krisenmanagement ist massiv. Es hat anderthalb Monate gedauert, das Wasser aus New Orleans zu pumpen und es sind danach nur etwa die Hälfte der 460 Tausend Einwohner zurückgekommen. Heute leben im Stadtgebiet 340 Tausend Menschen.

Den Gebäuden im French Quarter ist der französische Einfluss anzusehen, hohe Decken, rundumlaufende Balkone mit verschörkelten Geländern. Die Bewohner bauen auf diesem charmanten Äußeren auf und scheinen sich mit der Anzahl der auf den Balkonen untergebrachten Blumen gegenseitig überbieten zu wollen. Auf dem Straßenniveau ist in fast jedem Gebäude ein Café, Restaurant oder einer der verschiedensten kleinen Läden untergebracht. Die zentrale Straße ist tagsüber für den Verkehr gesperrt, der Raum wird von Musikern eingenommen.

Wir waren im Café Du Monde und haben einen sehr guten Kaffee und die Spezialität Beignets, zu Englisch “French Doughnuts” bestellt. Letztere sind kleine Teilchen, die mit Puderzucker wirklich satt abgedeckt werden. Ich habe an Puderzucker zu mir genommen, was immer nur irgendwie am Teilchen haften blieb oder sich aufhäufen ließ. Mir hat es geschmeckt, wenngleich e. geltend macht, ich sei kurz darauf herumgelaufen wie der Duracell-Hase.

Aber das stimmt nicht. Ich war wie immer.

Jackson Square

Hinterhof in New Orleans

 

Die ersten Magnolien dieses Jahr

 

Blumenbalkone im French Quarter

 

Posted in Uncategorized | 1 Comment