Gastbeitrag von CS: Häusliches

Das Häuschen von e. und tikay ist freundlich, gut isoliert (eine Seltenheit), mit hübschen Schiebefenstern versehen und einem Heizsystem, das wie aus dem Mittelalter scheint, obwohl es doch gerade im letzten Jahr renoviert wurde. Wird ja zum Glück nicht so kalt in Santa Cruz, aber wenn man dann doch mal die Heizung braucht, bläst die Heißluft mit viel Getöse durch verschiedene Auslässe an der Zimmerdecke direkt auf die darunter sitzenden Personen. Die Auslässe sind mit Schiebegittern zu regulieren, aber wer will jedes Mal auf eine Leiter steigen? Immerhin ist die Heizung thermostatgesteuert, d.h. nach einer gewissen Zeit gibt sie Ruhe.

Das Häuschen ist (für amerikanische Verhältnisse) schon recht alt (Baujahr 1935) und hat einige Erdbeben unbeschadet überstanden. Das lässt hoffen. Der Garten bietet noch Raum zur individuellen Gestaltung. Und so machten wir uns auf, native plants einzukaufen. Einen snap dragon für die Kolibris und einige kleinere Pflanzen, die ihre Blühfreudigkeit erst im nächsten Jahr unter Beweis stellen werden. Für die Pflanzlöcher hätte man eine Spitzhacke gut gebrauchen können. Jetzt heißt es fleißig gießen und hoffen, dass die Pflänzchen im nassen Winter gut Fuß fassen und im nächsten Sommer kräftig genug sind, auch trockene Perioden zu überstehen. Denn das zeichnet Californian native plants aus.

Apropos Garten. Dank tikays Leidenschaft für Kolibris hängen zwei Zuckerwassertränken in strategisch günstigen Blickachsen an zwei Seiten des Hauses. Ab und zu kommt mal ein Kolibri angesurrt. Klingt wie eine böse große Hummel, ist aber nur ein niedlicher kleiner Vogel mit einem erstaunlich irisierenden Federkleid, der seinen langen, spitzen Schnabel in tikays Zuckermischung tunkt. Stets argwöhnisch beobachtet von einem kleinen Macho-Kolibri, der sich sein Hauptquartier in einem Baum an der Ecke des Hauses eingerichtet hat. Von da aus hat er beide Tränken gleichzeitig im Blick und ist nicht unbedingt gewillt, diese kostenlose Leckerei mit anderen Artgenossen zu teilen. Kolibris zeigen eine beachtliche Kampflust. Aber das wusste schon der gute alte Brehm 1885.

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Gastbeitrag von CS: Bekannt oder alles neu?

Vor 33 Jahren kam ich zum ersten Mal nach Kalifornien und Santa Cruz – und blieb fünf Jahre. Ein Umstand, dem e. ihre Staatsangehörigkeit verdankt. Letzte Woche landete ich erneut in San Francisco, dieses Mal bleibe ich nur zweieinhalb Wochen.

Empfangen wurde ich von regnerischem Wetter, was aber den typische Geruch verstärkte, der von meinen Sinnesorganen sofort erkannt wurde. Ja, so riecht Santa Cruz. Etwas salzig, etwas würzig und ein Hauch von Skunk, der ab und zu durch in den Garten huscht.

Die Bougainvilleas in den Vorgärten blühen so farbintensiv in rot und lila, wie sie es in keiner deutschen Wohnstube tun würden. Rechts und links der Highways außerhalb der Stadt ist das Land gelb-braun und trocken. Ebenfalls ein bekannter Anblick, der jetzt kurz vor Halloween durch fußballfeldgroße Flächen voller orangefarbener Kürbisse unterbrochen wird.

Die Straßen sind noch genauso breit wie in meiner Erinnerung. Die Autos genauso groß und laut und viele immer noch verrostet. Neu ist der ständige Stau auf dem Highway und in den Durchgangsstraßen.

Die beste Erfindung der Amerikaner, der Four-Way-Stop sollte nun endlich in Deutschland eingeführt werden. In der Hoffnung, dass die Deutschen das Konzept des Wer-zuerst-kommt-fährt-zuerst mit ihrer Hoppla-hier-komm-ich-Mentalität überhaupt begreifen können.

Im Meer tummeln sich wie eh und je die Surfer und warten auf die eine große Welle ihres Lebens. Die Seelöwen krächzen immer noch heiser, aber die Seeotter, die e. mit Begeisterung beobachtet, sind jetzt mehr ins Bewusstsein der Menschen gerutscht als früher. Dank der Umweltschützer dürfen sie sich jetzt wieder ungestört im Pazifik vermehren.

Die Supermärkte sind unverändert riesig, ebenso wie die Packungen. Milch gibt es hier in Kartonverpackungen nicht unter zwei Liter, aber Plastikkanister mit vier Litern sind auch üblich. Natürlich als Vollmilch, fettreduzierte, mit Vitaminen und/oder Calcium angereicherte Milch. Ganz zu schweigen von der völlig fettfreien Milch, die mit Verdickungsmitteln wie Carrageen versetzt werden muss, damit sie wenigstens etwas „Mundgefühl“ bietet und nicht wie Wasser die Speiseröhre runterläuft. Jedenfalls ist die Auswahl riesig. Der gleiche Gigantismus gilt für Kartoffelchips, Limonade und andere kalorienreiche Dinge, die dazu führen, dass hier im Straßenbild gefühlt vier dicke (und ich meine wirklich dicke) Menschen auf einen dünnen kommen.

Heinz’ Biergarten gibt es nicht mehr. Der kleine, etwas zurückliegende, dunkle Laden in der Haupteinkaufsstraße von Santa Cruz, der Pacific Garden Mall, war seinerzeit vollgestopft mit Sauerkrautkonserven, Milkaschokolade, deutscher Wurst und Schweizer Käse. Manchmal gab es auch Brot von einer deutschen Bäckerei in San Francisco. Und deutsche Zeitungen: Die Zeit, Spiegel, Stern, Brigitte. Draußen saß man gemütlich unter einem riesigen Baum im Schatten auf Biergartenbänken und trank Bier. Aber dann wurde Heinz von seiner Frau verlassen, so erzählt man sich jedenfalls. Er suchte sich eine neue und verkaufte sein Häuschen an Starbucks. Nun ist das kleine, etwas zurückliegende Häuschen zu einem Kaffeepalast umgebaut worden. Ein Gewinn?

Zum Glück gibt es noch Hart’s Fabric Store. In diesem Stoffladen konnte ich schon damals Tage verbringen, und das geht mir heute auch noch so. Gefühlte Kilometer feinster Baumwollstoffe entlang der Wand in drei Regalreihen übereinander. Oben alle „solids“ (einfarbige), darunter erst die wenig gemusterten und dann die mit lebhaften Mustern. Und das ganze nach den Farben des Regenbogens sortiert. Hier wurde ich damals mit dem Patchwork- und Quiltvirus infiziert. Der Besuch dieses Ladens trägt nicht unbedingt zur Genesung bei. Wie schade, dass mein Koffer beim Rückflug nur 23 Kilo wiegen darf…

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Die Vorteile ordentlicher Regulierung

Leute, ich entfremde. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich ausufernde staatliche Regulierung ablehne. Dabei ist das eine gute Sache. Schaut einmal: Die Rundfunkgebühr zum Beispiel, jetzt neu als Haushaltsabgabe und endlich unabhängig davon, ob tatsächlich Empfangsgeräte vorhanden sind. Das macht die Sache so viel einfacher. Also irgendwann jedenfalls. Zunächst müssen bei der GEZ 400 Mitarbeiter eingestellt werden, zur Erfassung der ganzen Haushalte und so. Und aller Betriebe. Und die Anzahl aller Mitarbeiter in allen Betrieben. Aber dann ist es schon so weit, alle müssen zahlen. Und das ist gut, denn 7 Milliarden Euro sind erstens ein Schnäppchen für Tagesschau, Tagesthemen und Tatort. Und zweitens, dass auch zahlt wer nicht guckt ist nicht etwa unfair, sondern einfach nur ein solides, staatlich garantiertes Geschäftsmodell.

Oder hier, anderes Thema, die EEG Abgabe, eingeführt im Jahr 2000. Zu 4 Cent Stromkosten kommen inzwischen nächstes Jahr über 5 Cent EEG Abgabe hinzu. Und natürlich einige weitere Abgaben und Aufschläge und Umlagen. Also konkret die Konzessionsabgabe, die KWK Abgabe (Eingeführt 2002), die Strom- oder Ökosteuer (Eingeführt 1999), die Umlage nach §19 (seit 2012). Und die Entgelte zur Netznutzung, bestehend aus Grundpreis und Arbeitspreis. Und dann noch die Umsatzsteuer (2007 auf 19% erhöht), aber nicht auf alles sondern nur auf Teile. Das sieht jetzt natürlich nach dem Über-Regulierungswahnsin aus. Aber die EEG-Abgabe hat Deutschland zum Land der Solardächer gemacht und das ist doch eine tolle Sache. Natürlich wäre es noch besser, wenn die Sonne häufiger scheinen würde und dann mehr von oben und nicht so sehr von der Seite. Aber das ist ja das Schöne an EEG: Es geht ja trotzdem. Es ist halt nur etwas teurer. Und die Deutschen Solarunternehmen waren vor der Pleitewelle Top-Arbeitgeber.

Ich weiß nicht, warum die Amerikaner das alles nicht wollen. Die sind vielleicht einfach noch nicht so weit?

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Regen und Wahlen

Am 6. November sind Wahlen in den USA und es geht darum, ob Barack Obama oder Mitt Romney die nächsten vier Jahre Präsident der USA ist. 90% der Deutschen würden Obama wählen und was das bedeutet, darüber müssen wir uns gelegentlich noch unterhalten.

Am 6. November sind Wahlen in den USA und es geht nicht nur darum, wer der nächste Präsident wird. Der 6. November ist “election day” und die Bürger des Landes, die “Citizens“, dürfen auch über andere Vorhaben direkt abstimmen. In Kalifornien zum Beispiel darüber, ob die Steuern erhöht werden. Oder ob die Todesstrafe abgeschafft wird (hingerichtet wird schon seit Jahren niemand mehr).

Ich bin in den USA nur Gast “Resident” und darf nicht wählen, e. ist “Citizen” und kann sogar Präsidentin werden (wenngleich nicht mehr in dieser Runde). Als Citizen hat sie vor einigen Tagen ein kleines Heft bekommen, darin stehen alle zur Direktabstimmung anstehenden Vorschläge mit einer Erläuterung, einem Text der Befürworter, einem Text der Gegner und einem Text einer neutralen Stelle.

Die Wahlbeteiligung in den USA bei den Präsidentschaftswahlen liegt bei 50 bis 65%, bei den Bundestagswahlen in Deutschland liegt die Wahlbeteiligung bei zwischen 70 und 90%. Dabei könnte ich es jetzt belassen. Oder ich erwähne noch, dass die Wahlbeteiligung in Deutschland bei Europawahlen um 44% liegt.

Vor zwei Tagen hat es geregnet in Santa Cruz. Die Kinder unserer Nachbarn sind auf die Straße gelaufen und in den Pfützen herumgehüpft. Eine Stimmung wie beim ersten Schnee in Deutschland. 7,5 Stunden Regen gibt es im Schnitt im Oktober in Santa Cruz.

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Nachtrag zu unserem kaputten Ofen

Die Regelungen zum Mietrecht passen in den USA auf einen Bierdeckel und es ist fair zu sagen: Es gibt praktisch keine. Außer natürlich auf individueller Ebene im Mietvertrag. Das ist bei uns ein Standardvordruck und darin steht, dass wir für alle Reparaturen aufkommen müssen.

Die Reaktion unserer Vermieter war daher überraschend: Selbstverständlich würden sie das übernehmen und “sorry for your inconvenience.”. Wir mussten nichts weiter tun und bekamen einen neuen, sehr hochwertigen Ofen.

Inzwischen haben wir in Erfahrung gebracht, dass die Reaktion unserer Vermieter der gängigen amerikanischen Erwartungshaltung entspricht. Der Mieter ist Kunde und der Kunde ist König. Und was diese Mietvordrucke angeht (abwinkende Handbewegung), da stünde alles Mögliche drin.

Zum Thema Turbokapitalismus und soziale Kälte müssen wir jedenfalls jetzt woanders suchen.

Bei der Anlieferung der “Gas Range” (übersetzt etwa “Kochlandschaft”) musste unsere Eingangstür ausgebaut werden. Das ist weniger Aufwand, als der Abbau einer Tür an einem Ikea Pax Kleiderschrank. Und das liegt an den friemeligen Scharnieren für die Höhen- und Lageeinstellungen, für die die Ikeaingenieure keine seriöse Lösung finden.

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Fazit zum Umzug in die USA

Das abschließende Fazit unserer Reise in die USA können wir im Grunde erst ziehen, wenn wir mit 90 Jahren in Mexiko oder Brasilien oder USA oder Europa im Schaukelstuhl vor unserer Wohnung oder unserem Anwesen oder unserem Haus sitzen und im Kreise unserer Enkel oder auch nicht auf die Entscheidung zurückblicken, in die USA zu gehen. Ich bin heute der Ansicht, wir werden das für eine sehr gute Entscheidung halten. Ich will da aber nicht vorgreifen und muss Euch daher bitten, Euch so lange zu gedulden.

Ich sehe aber keine Einwände gegen ein vorläufiges Fazit nach 9 Monaten in den USA, 7 Monaten in Kalifornien und 2 Monaten in Santa Cruz. Rückblickend hatten wir bisher viel Glück, mit dem Umzug, mit der Reise, mit dem Auto, mit der Wohnung, im Grunde mit allem. Damit haben wir nicht gerechnet, aber das kann passieren.

Nun ist es so, dass Erinnerungen mit der Zeit immer besser werden (während alles Dingliche mit der Zeit verfällt) und vielleicht haben sich die Erinnerungen an unsere Reise durch Amerika und an den Weg bis hierher auch schon entwickelt. Es sind jedenfalls sehr schöne Erinnerungen und Erlebnisse und sehr vielfältige Eindrücke und Erfahrungen. Das betrifft natürlich unsere Reise aber auch den Start ins Leben zeitlich danach und daneben. Bei vielen Themen startet man mit dem (Wissens-)Stand eines 16jährigen und die Lücken sind unvorstellbar grundlegend: Ist ‘Liberty’ eine Versicherung, eine Zahnpasta oder eine Bank? Was ist ‘triple A’ (der ADAC), ‘triple B’ (das Better Business Bureau, eine Mischung aus IHK und Stiftung Warentest) oder ‘triple X’ (ein übles Bier)? Es ist eine spannende Erfahrung, sich in die amerikanischen Systeme einzuordnen, Ausweise zu bekommen, Versicherungen abzuschließen, Sozialversicherungsnummer zu beantragen und Steuern zu zahlen. Und sich insgesamt geschickt anzustellen, wenn man Dinge nicht hat die man braucht, um andere Dinge zu bekommen.

Es ist ein erstaunlicher Ort, an dem unsere Reise schließlich zu einem Ende gekommen ist. Ich frage mich gelegentlich, ob es wirklich authentisch ist in die USA auszuwandern und dann in der einzigen mir bekannten Stadt zu leben, in der es Radwege gibt. Eine Stadt voll mit Punks, vegetarischen Restaurants und Elektrofahrzeugen. Naja egal, es ist schön, hier zu leben, wir fühlen uns wohl. Wir mögen die Menschen, es ist ein schönes Land und das hier ist genau unsere Stadt.

Und das ist doch ein ganz annehmbares (vorläufiges) Fazit.

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Fazit – Der Blog

Vielen Dank Euch für die vielen positiven Rückmeldungen und die Aufforderung, den Blog nicht versiegen zu lassen. Ich führe Euch gerne in einigen Räumen meines geistigen Zuhauses herum. Die nur spärlich eingerichteten Zimmer bleiben natürlich außen vor. Unter anderen, versteht sich.

Also, Fazit des Blogs? Bisher 181 Beiträge, 437 Kommentare, 880 Bilder, 3 Videos, etwa 100 Aufrufe pro Tag. Würde ich das wieder anfangen? Ja und genau so. Es ist eine schöne Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben ohne zu aufdringlich zu sein. Wer will kann reinsurfen und wer nicht will kann es lassen.

Natürlich limitiert die öffentliche Form die Themen auf die unbeschwerten und eher heiteren Ereignisse. Probleme bleiben außen vor. Etwa habe ich noch nie erwähnt, dass wir ein Wespennest unter dem Dach haben. Ich glaube einfach nicht daran, dass es Menschen gibt, die soetwas lesen wollen.

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Happy Birthday

Google und dieser Eurer Blog feiern heute gemeinsam Geburtstag, Google wird 14 und der Blog wird ein Jahr alt.

Geburtstage sind ein guter Zeitpunkt für einen Rückblick, ein Zwischenergebnis, ein Fazit. Und dieses Fazit fällt nach Neun Monaten USA thematisch vielfarbig aus, ich verschiebe es daher auf die folgenden Einträge.

Geburtstage sind ein guter Zeitpunkt für einen Ausblick, wie geht es weiter mit dem Blog? Die Antwort darauf fällt mir leicht, sie lautet: Ich weiß es nicht. Einerseits freut es uns, dass so viele hier mitlesen, Beiträge kommentieren oder uns schreiben. Einen ganz besonderen Dank an der Stelle an Marco, unseren treuester Kommentator. Andererseits ist dieser Blog als Reise- und Auswandererblog konzipiert. Und ‘Reise’ ist lange vorbei und ‘Auswandern’ langsam auch.

Wir werden sehen, irgendetwas passiert ja immer. Erstmal das Fazit.

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Der Ofen ist aus

Er piept nur noch aber er brennt nicht mehr. Mit der Fehlermeldung “F5” können wir nicht viel anfangen und die vergilbte Anleitung ist in dem Punkt unergiebig. Das Internet ist voll von Reparaturanleitungen für Gasöfen, aber wir haben keine Schlüssel für die imperialen Schrauben.

Am nächsten Morgen haben wir den bärtigen Mechaniker von ACE Appliances da, der Ofen ist im handumdrehen zerlegt. Diagnose: Elektronikfehler, der Ofen sei zwanzig Jahre alt, da sei nichts zu machen.

Wer zahlt den neuen Ofen? Wer schleppt uns das gusseiserne Teil hier raus? Bekommen wir das Ungetüm durch die Tür? Da sind ernste Probleme zwischen uns und dem nächsten Kuchen.

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Was ist anders, Folge VII – Pragmatismus oder “Ich bin der Martin, ne?”

Die German American Business Association hatte für heute Abend einen Vortrag organisiert, was bei der Expansion amerikanischer Unternehmen nach Deutschland zu beachten ist. Die Eckpunkte waren etwa: Die Unternehmensgründung ist aufwändiger als in den USA, Steuersätze sind deutlich höher, es ist sehr viel sehr detailliert reguliert, Mitarbeiter bekommen bezahlten Urlaub und 6 Wochen bezahlte Krankheit und sind nicht uneingeschränkt kündbar, am Wochenende und abends hat alles zu. Und so weiter, ihr wisst ja selbst Bescheid.

Das stimmt natürlich alles und ich kann aus eigener Anschauung bestätigen, dass vieles in den USA deutlich pragmatischer abläuft. Die Kehrseite dazu ist vielleicht, dass vieles auch nicht so ganz so gut funktioniert.

Beispiel: In Deutschland ist der Personalausweis ein solides Dokument der eigenen Identität, von Amts wegen verliehen und mit Meldeadresse versehen, der Bürger hat es bei sich zu führen und auf Verlangen vorzuzeigen. In den USA gibt es soetwas gleich gar nicht und ersatzweise dient der Führerschein als Ausweisdokument. Und wie das entsteht, hatte ich ja schon beschrieben.

Folglich, wenn ich meine Bank in Deutschland anrufe, dann tun die was ich beauftrage. Wenn ich meine Bank in den USA anrufe, dann muss ich erst fünf Sicherheitsfragen beantworten, bevor die denken so: “Hm, ja, vielleicht issers wirklich.”. Folglich, in den deutschen Mietvertrag kommt der Name, das Geburtsdatum, die Nummer des Personalausweises, die Ausstellende Behörde, Ausstellungsdatum und -ort. In den amerikanischen Mietvertrag kommt der Name, der genannt wird und die gezahlte Kaution. So richtig weiß man hier nie, mit wem man es zu tun hat. Und wenn ich mich ab morgen André nenne, dann wird mir niemand widersprechen.

Beispiel Ende.

Deutsche mag erstaunen, dass man so unbekümmert ist. Amerikaner mag verwundern, dass man sich so überwachen lässt. Ich mag keine Partei ergreifen. Es mag sein, dass Einwandern in Deutschland jedenfalls komplizierter ist. Von Amts wegen.

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