Karl

Drei Dinge sind für den Erfolg entscheidend. Erstens das Wissen, wie es theoretisch geht. Zweitens versuchsweise kleine Anpassungen um den Kern dieses Wissens herum. Drittens habe ich vergessen. Aber Geduld ist sicher auch ein Faktor, die Fähigkeit nicht aufzugeben und sich von wochenlangem Misserfolg nicht entmutigen zu lassen. Vermutlich ist aber kaum jemand davor gefeit, sich irgendwann zu fragen, warum er eigentlich ständig, andauernd und immer wieder da steht und die Brühe zusammenrührt. Vier Teile Wasser und ein Teil Zucker, nach anderen Rezepten 20% Zucker und 80% Wasser. Beides nach Volumen und nicht nach Gewicht, aber so genau ist eigentlich schon keine der Beschreibungen mehr. Jedenfalls habe ich ein halbes Kilo Zucker auf diese Weise durchgebracht, vollkommen erfolglos. Kein Kolibri hat sich für unsere Zuckerwasser-Getränkebar interessiert.

Ich frage mich, ob Statistiker solche Aktionen bei der Berechnung des pro Kopf Zuckerkonsums berücksichtigen. Oder sich mit der Ermittlung des pro Kopf Zuckerverbrauchs begnügen.

Das ist doch mal eine spannende Frage!

Nein?

Nagut.

Anyway, what I wanted to say: Es hat funktioniert, wir haben den ersten Gast, ein Anna’s Hummingbird nutzt die Tränke, wir haben ihn “Karl” genannt (Karl Dall war gerade Thema, als der Hummer plötzlich an der Tränke saß).  Karl ist jung, neugierig und etwas unbeholfen. Er trägt das graue Federkleid der Anfänger. Er fliegt auf Armlänge an uns heran und betrachtet uns neugierig. Und beim Nektarsaugen aus Blumen sind ihm oft Blätter oder Äste im Weg, dann braucht er mehrere Versuche von verschiedenen Seiten.

Trotz seiner Jugend ist Karl sauschnell. Meine Kamera schafft 10 Bilder pro Sekunde und hier ist eine Sekunde aus dem Leben von Karl:

Meistens folgen noch vier, fünf weitere Bilder bevor ich merke, dass der Vogel schon lange nicht mehr da ist …

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Was ist anders, Folge IV [ohne Titel]

Deutschland ist ein sehr sauberes Land, aber es gibt mindestens eine Ausnahme: Öffentliche Toiletten. Und ich glaube ich spreche für uns alle wenn ich zusammenfasse: Egal wie prekär die Sachlage, da nicht. Das untere Ende sind unbestritten Toiletten in einer beliebigen deutschen Altstadt. Irgendwo auf dem Marktplatz führt eine schmale und modrige Treppe hinunter in Räume, die aus gutem Grund seit Jahrzehnten niemand mehr betreten hat. Die oberirdische Version städtischer Toiletten ist kaum besser, eine stand gleich angrenzend an unseren Schulhof und bei Wind aus Süden konnte die Weitsprunganlage nicht genutzt werden. Ach, und über die Situation an Autobahnraststätten oder einem beliebigen Bürgerbrater wollen wir gleich lieber gar nicht sprechen. Schwarzlicht gegen die Drogenabhängigen ist da die zwar etwas beunruhigende aber noch harmlose Überraschung. Und in der Uni damals? Flach atmen, sich in kleinen Schritten langsam der Tür nähern und im Zweifel sofort abdrehen. Für meine Schulzeit galt schlicht: Lieber platzen.

In den USA sind öffentliche Toiletten sauber und gepflegt. Das ist schön, aber ein bisschen wundert es mich auch. Wie werden die zum Teil massigen Fleischberge so genau ausgerichtet? Und das auch noch im toten Winkel? Ich stelle mir vor, dass für die Feinjustierung mit zwei Handspiegeln gearbeitet wird. Aber so genau will das ja auch keiner wissen.

Den Beitrag lest mal lieber erst nach dem Abendessen. Und das hätte ich besser am Anfang geschrieben.

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Wochenende in Gualala

Die Route:


Rundreise WE 2012-06-24 auf einer größeren Karte anzeigen

Die Fotos:

Freitag: Ankunft in Gualala. Sensationell schön gelegenes Dörfchen. Es regnet. Auch eine Sensation. Müssen mit E. raus. Nach der langen Fahrt. Wir gehen an den Strand. Eine Welle erwischt uns. Meine einzige Hose. Meine einzigen Schuhe.

Samstag: Hose trocken. Schuhe treffen Hotelföhn. Beide werden schnell warm. Achtung: den Kleber nicht lösen. Schöner Tag. Sonne. Strand. Viel Natur.

Sonntag: Rückfahrt. HWY 1 sehr kurvig. Hund vermtl. kurz vor Übergeben. Notstop Ergebnis: schönster Strand so far. Mittagessen in Sebastopol. Schöne und liberale Stadt.

Kommen wir was ganz anderes: Ihr alle kostenlos Bild? Ich Rücksicht. Langsame Rück-Lernung lang Sätze. Nächste Lernung: Wie geht sexy Nebensatz.

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Was ist anders, Folge IV (Vier): Die Küchenspüle

Ich bin ganz zuversichtlich, dass auch die männlichen Leser dieses Blogs eine gewöhnliche deutsche Küchenspüle kennen und mit ihrer Handhabung leidlich vertraut sind. Auch praktisch. Eine amerikanische Spüle ist in Handhabung und Aussehen nicht anders.

Das war es schon mit dem Vergleich.

Tja …

Noch 400 Zeichen zu füllen …

Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur adipisici elit …

Nein, so gehts natürlich nicht. Also zurück an die Spüle und tiefer eingestiegen: Der Abfluss. Deutsche Küchenabflüsse verstopfen gerne, vor allem bei sorglosem Abwaschverhalten (“Ach, das bisschen Reis …”). Amerikanische Abflüsse verstopfen eher nicht. Nicht mit Reis, nicht mit Brokkoli und auch ein zähes Steak hat keine Chance. Und das liegt am … pause for effect … angeschlossenen Schredder! Ganz recht, ein an den Abfluss angeschlossener 1ps starker sogenannter “food waste disposer” sorgt für Pürierung und den nötigen Durchsatz im Rohr.

Sollte jedoch einmal der Schredder sich festfressen, dann ist das wie mit Vierradantrieb steckenbleiben, wo der Abschlepper nicht hinkommt: Das Problem taucht seltener auf, aber es ist auch irgendwie größer. Ein Pömpel* hilft da nicht weiter. Übrigens in beiden Fällen nicht und daran mag man sehen, wie gut der Vergleich ist.

Gestern war es bei uns so weit, der Schredder kreischt auf, schleift kurz und steckt dann fest. “Aha”, dachte ich, “Glas kriegt er also nicht klein. Ziemlich enttäuschend!” Nun ist es so, dass ein solches Problem in dem Dreiklang “deutscher Ingenieur”, “geeignetes Werkzeug” und “feinmechanisches Fachwissen” lösbar ist. Konkret sah das so aus, dass ich mit einem Besenstiel und viel Gewalt den Schedder im Abfluss vom Glas freigerüttelt bekam.

Zurück bleibt die Frage: “Wie kommt das Glas in den Abfluss?” Nun, das hat im weitesten Sinne etwas zu tun mit dem Glitsch-Koeffizienten von Spülseife, absonderlichem Splitterverhalten von amerikanischem Glas und natürlich in gewissen Umfang auch etwas mit meinem Geschick am Abwaschbecken. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

 

*also known as: Handelsübliche Haushaltssaugglocke zur Abflussreinigung und Durchgängigmachung des Rohrs

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Mexican cuisine

Diese Taqueria ist unsere Burrito-Location, eine Empfehlung der Suchmaschine mit den vielen “O”s. Unsere Vermieter wollten davon nichts wissen, “best burrito in town” sei das “Gordo” hier, also bestellten wir dort für das gemeinsame Abendessen. Nach dem Essen fragte er mich erwartungsvoll, was ich denn nun von seiner Empfehlung hielte. Ich sagte das Essen sei gut, aber mit der “Taqueria” absolut vergleichbar. Das war vermutlich das härteste Urteil, dass ich nach den Regeln hiesiger Gepflogenheiten aussprechen konnte. In Deutschland und in meiner “peer-group” würde es heißen: “Nee jetzt, das ist echt nicht meins.”

Also stand ich gestern wieder in unserer Taqueria in der Schlange für take-away. Der Laden war voll und laut wie sich das gehört für das passende Lokalkolorit Mittel- und Südamerikas. So stand ich da und träumte von Mexiko und bemerkte dennoch den plötzlichen Einbruch im Lautstärkepegel. Ich sah hoch und suchte nach der Ursache und das taten auch immer mehr der übrigen Gäste. Schließlich waren alle Augen gemeinsam fokussiert auf einen gut einsehbaren Punkt auf dem Boden mitten im Raum, an dem ein etwa 3 cm großes, schwarzes Tierchen saß und nur die langen Fühler bewegte. Inzwischen war es vollkommen ruhig bis auf den Lärm, der von der Straße hereindrang. Selbst die Mitarbeiter hinter dem Tresen rührten sich nicht mehr und blickten angstvoll auf das Insekt. Eine sehr hellhäutige und füllige Dame in einem Blümchenkleid hatte nun ihren großen Auftritt. Sie saß dem Tierchen am nächsten, beugte sich erstaunlich behende herunter und lüftete für die Inspektion auf kurze Distanz ihre Brille etwas. Dann richtete sie sich wieder auf, hob die Hand zur Wortmeldung und verkündete: “It’s a black grasshopper!”

Ich hatte meinen Burrito mild und mit schwarzen Bohnen. Bei den Tacos bin ich auch wieder bei dem milden Dip, die Taqueria hat die Rezeptur verschärft, ein Fest für die Sinne.

Der Montag gestern wird trotzdem aus anderen Gründen für mich immer unvergessen sein. Aber das erzähle ich mit dem richtigen Abstand zu den Ereignissen. 😉

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Was ist anders, Folge III (Drei): Vatertag

Der Vatertag in den USA ist die Mutter des Vatertags in Deutschland: Die Deutschen haben die Tradition eines Vatertages aus den USA übernommen und landestypisch angepasst. Denn während hier der Vatertag am 3 Sonntag im Juni begangen wird (gestern), ist es in Deutschland der 40. Tag nach dem Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Vatertag in Deutschland bedeutet Bollerwagen, viel Alkohol und dreimal mehr Verkehrsunfälle und Verkehrstote als sonst pro Tag üblich. In den USA bedeutet Vatertag Familienausflüge oder Ausflüge der Kinder mit dem Vater. Viele erwachsene Amerikaner verbinden schöne Erinnerungen an Vatertagsausflüge.

Wir waren in Santa Cruz und damit verbinden wir auch immer schöne Erinnerungen. Sonne allerdings gab es nur hinter dem Küstennebel. Und – natürlich – in unseren Herzen ;-):

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Sommer in Kalifornien

Der Sommer ist da, Kalifornien verändert sich. Im Dogpark ist das Gras kniehoch, braungelb und trocken wie Stroh. E. liebt das, sie wälzt sich, flitzt in Kreisen und Achten über die Wiese und wirbelt Grassamen und Staub auf. Die reine Zurschaustellung von Lebensfreude, ich stehe am Weg und staune. Eine Frau spricht mich an, “Ist das Dein Hund?” – “Ja, das ist E.” – “Ich habe auch so einen, das könnten doch Zwillinge sein, oder?” Und tatsächlich steht neben ihr ein schwarzer Hund mit rotem Halsband, allerdings ein Labrador, deutlich größer als E., sehr gut im Futter und etwas ergraut, dazu noch ein Männchen. “Stimmt”, entgegne ich, “die Ähnlichkeit beginnt schon beim Halsband.” Jedoch, ich denke dort irgendwo nah bei endet sie auch. Die Frau freut sich. “Take care!” sagt sie noch, dann läuft sie weiter.

Der Sommer ist da, es ist warm geworden in Kalifornien. Die Sonne scheint den ganzen Tag, der Himmel ist tiefblau und wolkenlos und kontrastiert mit dem gelbbraunen Gras. E. tobt noch immer. Vom Pazifik weht ein frischer Wind, es sind sehr angenehme 25 bis 30 Grad. Vor uns liegt ein Santa Cruz Wochenende.

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Viele, viele Kolibris

Wir sind zum Eisessen eingeladen, Elli und Hans, ein älteres Ehepaar aus dem Yachtclub, die in unserer Nähe wohnen. Natürlich sind die Namen nicht die richtigen und auch den genauen Ort der Ereignisse werde ich nicht offenlegen, aus Gründen der Diskretion und des Respekts.

Das gesellschaftliche Ereignis beginnt unverfänglich, Elli und Hans freuen sich uns zu sehen. Elli und e. setzen sich nach der Begrüßung ins Esszimmer, Hans und ich kümmern uns um das Eis. Hans will zwei Kugeln und alle übrigen ziehen mit. Das Zeug ist bretthart, ich habe meine Mühe, Hans kommentiert wohlwollend. Endlich habe ich dem Block Acht Kugeln abgerungen, wir setzen uns zu dem Damen ins Esszimmer. Ich bin ziemlich fertig. Der Fernseher läuft, ein Beitrag über den Marsch gegen Brustkrebs. “Ich hatte auch Brustkrebs!”. Hat Elli das wirklich gerade gesagt? Das ist ein ziemlich offenherziges Statement. Hans steigt darauf ein: “Ja, und kurz darauf waren wir auch bei diesem Masch.” Elli nickt, Hans fährt fort: “An dem Tag hast Du den Notarzt als “Motherfucker” beschimpft, weisst Du noch?”. Ich bin irritiert, das hier hat mit flockigem Smalltalk nichts mehr zu tun. Elli ist nachdenklich: “Ja, bei diesem Marsch bin ich gestürzt und dabei habe ich mir das Glas meiner Brille in den Kopf gerammt…”. Hans ergänzt hilfsbereit “… das Blut hat nur so gespritzt!”. Mit der Vorstellung kann ich nicht gut um, mir wird langsam schummrich. Elli zieht bedeutungsvoll die Augenbrauen hoch: “Das war ganz knapp neben dem Auge!” Hans nickt. “Unser Hund ist wieder Gesund!”, werfe ich schnell ein, mein Stuhl hat keine Armlehnen, das kann mir zum Verhängnis werden. Aber meine Kursänderung greift nicht. “Dein ganzes T-Shirt war voller Blut…”, ich richte meinen Blick aus dem Fenster, ich muss mich konzentrieren. “… und dann hat doch der Notzarzt festgestellt, dass die frische Naht der Brustimplantate…”, ich versuche an Kolibris zu denken, “auf ganzer Länge aufgerissen ist… “, ich schaffe es nicht, mehr Kolibris! “… blutige Implantate herausge…”. Es rauscht in meinen Ohren, ich kann nichts mehr hören. Die Landschaft hinter dem Fenster verschwimmt, ich konzentriere mich darauf, aufrecht sitzen zu bleiben. Endlich weiß ich, warum umsichtige Zeitgenossen aus dem Flugzeug die Tütchen ‘aus der Sitztasche vor Ihnen’ sammeln. Wir schnell kann Bedarf danach entstehen. Die Tütchen von PanAm sollen übrigens inzwischen richtig wertvoll sein. Früher wurde feierlich die Zigarre mit der Hundertdollarnote angesteckt, heute macht der Yuppie von Welt zu gegebenem Anlass ein PanAm Tütchen voll. Als ich wieder hören kann, sind wir thematisch weitergezogen.

e. sitzt Elli gegenüber, lächelt und hört ihr aufmerksam zu.

Das war ziemlich knapp.

Von wegen oberflächliche Amerikaner, selten ein Thema mit so viel Tiefgang erlebt.

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Was ist anders, Folge II: Einkaufen im Supermarkt

Natürlich gibt es ganz grundsätzliche kulturelle Unterschiede und es unbedingt anzuraten, dass der Berlinbesucher sich möglichst langsam an die neue Kultur herantastet. Vergleichen wir Standardsituationen beim Einkaufen im Supermarkt:

Wir brauchen Hilfe, die Reaktion in El Cerrito: “Yes Sir, how can I help you?”; In Berlin: “Ik kann jezze net, det sehnse dooch!”.

Wir bekommen Hilfe in El Cerrito: “That’s next to the eggs, let me walk you over.”; In Berlin: “… bei-e Ei-a!!”

Abschluss des Auskunftsersuchens in El Cerrito: “Is there anything else I can help you with, Sir?”; In Berlin ist schon lange niemand mehr da.

Der Einkaufsvorgang selbst läuft ab wie gewohnt. Es stimmt, dass die Auswahl an Brot sich nicht gut deckt mit dem deutschen Geschmack und ich finde die Auswahl an Aufschnitt (insbesondere Salami) und an Süßigkeiten (insbesondere Schokolade) schwierig. Dafür gibt es auf hohem Niveau Auswahl an Obst und Gemüse und insgesamt sehr viele Produkte, Qualitäten und Geschmacksrichtungen. Milch zum Beispiel gibt es als H-Milch oder Vollmich oder Laktosefrei und mit wenig Fett oder mit viel Fett oder jeder möglichen Abstufung dazwischen, mit oder ohne Vitamin D, oder als Bio oder aus der chemischen Kuh, oder, oder oder. Für jeden Sonderling gibt es eine Milch und ich greife meistens die falsche.

Begrüßung an der Kasse in El Cerrito: “Hello Sir, how are you today? Did you find everything OK?” In Berlin: Piep. Piep. Möööb… “EEERIKAAA, wat kostn dö Ei-a!?!”

An der Kasse ist die bevorzugte Form der Zahlung die Kartenzahlung. Mich verwundert das, denn der Ablauf ist ein sehr langwieriger, ultra komplexer und mehrstufiger Prozess. Der Zahlungsvorgang wird durch das Durchziehen der Karte durch das Lesegerät initiiert und es empfiehlt sich, damit gleich schon nach dem Scannen des ersten Artikels anzufangen. Auf dem Display sind dann reichlich Fragen zu beantworten: “Ist das eine Kreditkarte (Creditcard) oder eine Ec-Karte (Debitcard)?” – “Wollen sie für die Krebsforschung spenden?” – “Haben Sie eine Kundenkarte? (Kundenkarte durchziehen oder Telefonnumer eingeben, dazu später mehr)” –  “Wollen Sie Geld von Ihrem Konto ausgezahlt bekommen?” – “Ist der Betrag in Ordnung?”. Gleichzeitig jongliert man sich in einer Fremdsprache mit dem Kassierer die Smalltalk – Bällchen hin und her, das ist jedenfalls nicht trivial. Immerhin ist anschließend auch schon alles in viele, viele Plastiktüten oder in mitgebrachte Taschen eingepackt und zwar umsichtig, die Ei-a immer oben. Ältere Kunden bekommen die Sachen ins Auto getragen.

Verabschidung an der Kasse in El Cerrito: “Enjoy your evening, Sir!”; In Berlin:”hm …ö.”

Zeitlich denke ich mir folgende Reihenfolge: Erst wird man in der Szenekneipe gesiezt, dann werden die Einkäufe ins Auto getragen und schließlich bietet in der Ubahn die schwangere ihren Sitzplatz an. Dann ist es auch bald geschafft.

Bei praktisch allen großen Ketten (nicht nur Supermärkte) gibt es ordentlich Rabatte bei der Nutzung einer Bonuskarte. Dazu füllt der Kunde ein Formular aus, Name, Anschrift und Telefonnummer werden abgefragt und schon kann zukünftig durch Vorlage der Karte oder durch Eingabe der Telefonnummer gespart werden, während das Geschäft den Datensatz um die Erkenntnisse aus den Einkaufsgewohnheiten vervollständigt und später verkauft. Natürlich sind auch die Amerikaner nicht scharf auf Werbeanrufe und mit dem IQ des Kunden steigt daher die Wahrscheinlichkeit, dass die Daten auf dem Formular ins Daten-Nirvana führen. Ganz schlaue Kunden geben zumindest eine Telefonnummer an, die sie sich gut merken können, zum Beispiel die 867-5309 aus dem populären Song “Jenny” (Ein One-Hit-Wonder, 1982). Noch schlauere Kunden füllen gar nichts aus, sondern nehmen gleich die Nummer. Die USA sind groß und es gibt ausreichend “ganz schlaue” für die etwas weniger “noch schlaueren”.

Wenn Ihr also beim nächsten USA Urlaub aus dem HomeDepot Baumaterial braucht, um im Motel eben mal was abzudichten – Greift Euch die Rabatte!

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Was ist anders?

Die Frage ist pauschal und das gilt auch für die Antwort: Alles.

Persönlich empfinde ich immer ein sehr tiefes Gefühl der Zufriedenheit, wenn Themen so umfassend und abschließend behandelt und geklärt sind. Und das dann auch noch mit einer Antwort, die nicht nur kurz, sondern auch elegant ist: “Alles.”

Nachdem nun also die Meta-Ebene geklärt ist, steigen wir gleich etwas tiefer ein. Ich wisst ja sicher alle, was eine Serie ist und zu einer Serie gibt es einen Piloten. Das hier ist der Pilot und wenn der Pilot der Serie gut läuft (z.B. 5 Kommentare oder mehr), dann gibt es weitere Folgen.

Folge 1 (Pilot): Was ist anders im amerikanischen Straßenverkehr

Der amerikanische Autofahrer ist entspannt, ja vielleicht sogar tiefenentspannt. Das gilt für die meisten Gegenden dieses Landes, abgesehen von vielleicht New York, Houston, LA und der Interstate 17 nördlich von Phoenix. Das ist ganz sicher das erste, was dem durchschnittlichen deutschen Auto-Hooligan hier auffällt. Was er dann unbedingt auch noch wissen muss ist die Vorfahrt der Fußgänger. Das gilt in jeder Situation, in der das auch nur entfernt sinnvoll ist. Um das gleich klar zu sagen, wer ohne sich umzusehen über den Highway läuft, der hat mittelmäßig schlechte Karten. Ansonsten sieht es aber gut aus. Auf der vierspurigen San Pablo Avenue bringt schon ein durchschnittlich orientierungsloser Rentner den Verkehr zu einem vollständigen Stop (ohne Hupen!) und auf Parkplätzen können selbst Menschen wie e. und ich ganz sorglos herumtollen. Die Amerikaner halten an und das ist eine sehr schöne Sache. Der Effekt verstärkt sich übrigens noch, wenn es regnet.

Vorfahrt gilt auch für Radfahrer. Das natürlich nur inoffiziell. Die tun aber gut daran, das nicht zu erzwingen, schon jetzt rechnet niemand mit ihnen und es sollen nicht noch weniger werden.

Hupen ist sowas wie eine Kurznachricht des Fahrers an Bekannte am Straßenrand, mehr nicht. Blinken kann etwas bedeuten, muss es aber nicht. Hinten sind die Blinker oft rot, das erschwert die Interpretation bedeutend. Das gilt besonders, wenn ein Bremslicht kaput ist. Oder wenn jemand bremst und blinkt, aber solche hektischen Manöver sind sehr selten. Vorne sind die Blinker zwar gelb, aber sie leuchten bei vielen Fahrzeugen nachts dauerhaft und erschweren das Erkennen ob oder ob nicht da etwas blinkt. Dafür sieht es natürlich echt “Gangsta” aus, mir gefällt das (und Diego hat es auch, o-yeah!).

Frage in das Auditorium: Wann wird nachts auf Landstraßen, so lang und geradeaus, dass Deutschland schon lange zu Ende wäre, wann wird da abgeblendet? Some time for thinking… more thinking… more – arhg, come on guys! Wenn der erste abblendet, zieht der zweite nach. Lässiges System, oder?

Über 4-way Stops hatte ich schon ausreichend berichtet, gefahren wird in der Reihenfolge der Ankunft am Stopzeichen, im Zweifel gilt Rechts vor Links. An roten Ampeln darf rechts abgebogen werden, aus Einbahnstraßen in Einbahnstraßen auch links. Schritttempo an schulen “if children are present”.

Und was ist für den amerikanischen Autofahrer der Supergau, das absolute “no-no”? Vorbeifahren am haltenden Schulbus (auch auf der Gegenfahrbahn). Das ist etwa so wie in Deutschland zu schnell und betrunken über die rote Ampel, nur in schlimmer.

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