Die Besichtigung

“Hallo Euch, schön dass Ihr hier seid und willkommen zu unserer Besichtigung. Bitte stellt Zwischenfragen. Dieses Haus aus der Frühzeit der neueren amerikanischen Entwicklungsgeschichte hat einige Kalifornische Erdbeben überstanden, wenngleich natürlich nicht ganz schadlos, die Risse in den Wänden legen davon Zeugnis ab. Beachtet auch die großzügigen Betonflächen um das Haus herum, damals zusammen mit teergetränkten Holzbalken, Polyvinylchlorid (PVC) und Asbest in der Gruppe der beliebtesten Baumaterialien. Hier im Wohnzimmer sehen wir die Feuerstelle, eine der Methoden, diese Hütte zu heizen. Kaum weniger archaisch aus heutiger Sicht ist die verbaute Gasheizung, eines der ersten verfügbaren Vorserienmodelle. Hier geht es weiter in die Küche, sehr schön die alten Schränke aus der Zeit der ersten Siedler. Einige Türen fehlen, aber dafür ist heute einfach Ersatz nicht mehr zu beschaffen. Der wuchtige Gasofen ist vermutlich aus den späten 30er Jahren. Die Beulen zeigen es schon, es muss unten gegengetreten werden, damit oben Gas herauskommt. Der Plastikfußboden hier und im Bad muss in den frühen 80er ausgelegt worden sein und seine Farbe ebenso wie die abwechselnd rosa und schwarzen Fliesen deuten auf farbenblinde frühe Bewohner hin. Die zwei Schlafzimmer waren damals Standard, heutige Doppelbetten lassen sich hier nur hochkant aufstellen. Beachtet die Spalten um Türen, Fenster und und an ganz eigenen Stellen, gutes Raumklima ist eben auch eine Frage der richtigen Belüftung. Gibt es Fragen?”

“Ähm… was soll das denn kosten?”

“Ja, das sind dann 2.500,- Dollar im Monat, ohne Nebenkosten, erste und letzte Miete bei Vertragsunterzeichnung, außerdem drei Mieten Sicherheit und 2.700,- Dollar Abstand für die Bodenplatten im Garten und die Armaturen im Bad. Bewerbungsformulare liegen im Garten auf dem vorderen Autowrack links vom Sperrmüll. Bitte vollständig ausfüllen und Kopien der Kontoauszüge nicht vergessen. Guten Tag!”

Der Mietmarkt ist hier irgendwie anders als in den brachfallenden Städten im Osten Deutschlands.

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Was ist anders, Folge V, das Automobil

Das Thema ist also das Automobil, als Vehikel der Individuellen Mobilität, als Symbol des eigenen Status und als Grund sich zu verschulden. Ich erinnere mich an die Schränke voll mit Fahrzeugbriefen im Tresor der Deutschen Bank, hinterlegt als Sicherheit für einen Kredit, der längst deutlich höher war als der Wert des Fahrzeugs. “Dieses Fahrzeug gehört der Bank, aber sie lassen mich damit fahren.”, wer das im Kreis von Nachbarn und Freunden erzählte, dessen verpfändeter Fahrzeugschein war rosa und geschmückt mit goldenen Sternchen und blinkenden Herzchen.

Gefühlte Wahrheit ist, dass in den USA die PKW noch mehr auf Raten fahren als auf Rädern. Die Amerikaner scheinen einen ausgeprägten Hang dafür zu haben, sich zu verschulden. Folgerichtig wird in der PWK-Werbung die Leasingrate in den Vordergrund gestellt, neben, und das finde ich interessant, dem Verbrauch. Es ist ein Allgemeinplatz, dass die Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten eine Winzigkeit größer sind als zum Beispiel in Italien. Aber obgleich der Spritpreis immer noch nur etwa halb so hoch ist wie in Deutschland, so hat er sich doch seit 2009 verdoppelt und diese relative Bewegung scheint für die Wahrnehmung wichtiger zu sein, als die absolute Höhe des Preises. Sparsamkeit ist seitdem das Verkaufsargument, Hybridfahrzeuge sind begehrt und der Toyota Prius ist ein Statussymbol, überboten nur noch von den sündhaft teuren, reinen Elektrofahrzeugen von Tesla. Aber mit diesen Kreisen haben wir keinen Kontakt, für die sind die Anleger am Richmond Yachtclub zu klein.

Gefühlte Wahrheit ist auch, dass hier das Auto ein Gebrauchsgegenstand ist. Kleinere Dellen oder Kratzer sind kein Grund für graue Haare oder langwierige Diskussionen bei der Rückgabe von Mietwagen. Für Funktionen wie “Spurhalteassistent”, “Radar-Abstandshalter” oder selbst “Scheinwerfer-Wisch-Wasch-Reinigungssysteme” aus dem Paket “Licht und Sicht” scheint in den USA keine Zahlungsbereitschaft vorhanden zu sein. Was für ein armseliges Autofahrer-Dasein.

Die Deutschen konfigurieren ihr neues Auto liebevoll und warten dann Monate darauf. Die Amerikaner gehen zum Autohändler und fahren vom Hof. Dann allerdings sehr oft mit “Pick-ups” (Das klingt doch nach “Klau-fix”, oder?) und als Grund für die Liebe zu dieser Fahrzeugklasse kann ich sagen: Ich weiß es nicht. Das Auto ist hinten offen, alles wird nass,  weht herunter (der Grund, warum die Highways so dreckig sind) oder wird geklaut. Was soll das? In der Werbung werden diese Kleinlaster von jungen Erwachsenen gefahren, in die Berge zum Beispiel und hinten mit Fahrrädern beladen. Und es stimmt natürlich, dass am Wochenende die Highways voll sind mit Fahrrädern auf Pick-ups, während der McDonalds vollsteht mit Kleinwagen. Aber nicht geparkt, sondern in der Schlage zum Drive-Through.

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Foltiot

Fernsehen. Vielleicht nicht ganz oben auf der Liste, aber doch im oberen Bereich ist das mit einer der Gründe, warum wir eine eigene Wohnung brauchen: Um wieder keinen Fernseher zu haben. Ich kenne nur wenige Dinge, die potentiell sich so nachteilig auswirken auf die eigene Zufriedenheit wie ein Fernseher im Haushalt. Ich kann nicht sagen, woran das liegt, vielleicht am leicht verfügbaren, passiven Konsum zum Preis der unglaublichen Zeitverschwendung. Der Effekt verstärkt sich mit der Anzahl der Kanäle.

Eine Sache aber ist großes Kino beim Fernsehen (um mit dem Bild in der Medienlandschaft zu bleiben): Werbung für Medikamente, es gibt kaum bessere Unterhaltung. In Australien gab es damals diese Zigarettenwerbung in Zeitschriften, da stand über die untere Dreiviertel Seite weiß auf schwarzem Grund: “Rauchen wird dich töten!” und darüber ritt im letzten Viertel der Marlboro-Man-Cowboy durch die Prärie. Da war auch nicht gleich klar, ist das jetzt Satire oder was? Inzwischen ist der Marlboro-Man und zwei seiner Nachfolger an Lungenkrebs eingegangen, was Marlboro in der Drogenszene den Spitznamen “Cowboy Killer” eingebracht hat.

Zurück zu der Werbung für Medikamente. Das läuft so ab: Eine sympatische und irgendwie alterslose Person spricht in die Kamera über ihr tragisches medizinisches Problem, nämlich zum Beispiel, wie sie Nasenbluten bekommt, wenn sie da mit dem Daumen bohrt und wie sehr sie das in ihrem Leben behindert. Die Person berichtet dann weiter, wie sie schließlich ihren Arzt aufgesucht hat, der ihr “Foltiot” verschrieben hat und wie gut es ihr jetzt geht. Es folgen dann Bewegtbilder von der Person, wie sie im Wald spazieren geht, mit den Kindern oder dem Hund spielt oder andere Dinge tut, die einem Amerikaner nie in den Sinn kämen. Dazu (und das ist meine Lieblingsstelle) zählt eine Stimme aus dem Off die möglichen Nebenwirkungen auf: “Bei der Einnahme von Foltiot können Nebenwirkungen auftreten wie zum Beispiel Schweißausbruch, Hungeratacken, Haarausfall, Schlaflosigkeit oder extreme Müdigkeit, Herzrasen, kurzzeitige oder dauerhafte Orientierungslosigkeit, unkontrollierbares Wachstum der Fingernägel, zeitweiliger oder dauerhafter Verlust der Sehkraft, Nieren-, Lungen- oder Leberversagen, schwere Blutungen, dauerhafte Hirnschäden oder Tod. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Foltiot für Sie das richtige ist! Sagen sie ihm, wenn sie früher einmal Hepatitis A, C, E oder J hatten. Nehmen Sie Foltiot nicht, wenn Sie schon einen Tauchunfall hatten, schwanger sind oder regelmäßig Fußpilz haben”. Dann strahlt wieder die alterslose Person in die Kamera und sagt etwas in der Gegend von: “Danke Foltiot, Du hast mein Leben verändert!”.

Naja. Dann mal her mit den Pastillen.

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Married in good faith

Manche bleiben stehen, andere staunen im Vorbeigehen. Gelegentlich klatscht einer, Daumen hoch Zeichen gibt es oder aufmunternde Zurufe. Ich winke oder rufe einen Dank zurück. Viel mehr kann ich nicht tun, denn es geht gar nicht um mich, es geht um E. Der ist das aber alles egal, sie sitzt vor mir, tritt nervös von einem Vorderbein auf das andere und starrt mich an, nichts kann sie ablenken. Fliegen soll sie die Frisbee, das allein und das nur ist, was E. will, wenn wir im Hundepark sind. Inzwischen ist sie so gut geworden, die fliegende Scheibe aus den Aufwinden zu fischen, dass es eine Freude ist. Da die Würfe aber alle gegen den Wind gehen, ist nach einiger Zeit etwas Umsicht angebracht, wenn die gut eingespeichelte Schreibe mit hohem Drall geworfen wird…

Was liegt sonst an? Die Einwanderungsbehörde will Unterlagen von e. und mir. Unterlagen, die beweisen, dass wir nicht nur eine Scheinehe führen. Erstens ist das sowieso schon nicht einfach, zweitens sind unsere Unterlagen irgendwo in irgendeiner Box in einem Container in irgendeiner Lagerhalle in Oakland. Nicht unbedingt das, was man gemeinhin mit griffbereit bezeichnet. Es geht immer alles irgendwie, zur Not mit Charme.

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Wahlkampf in den USA

Barack Obama und Mitt Romney, der erste will Präsident der USA bleiben, der zweite will Präsident der USA werden. Da ist Knatsch unvermeidlich.

Der Präsident der USA muss auf dem Gebiet der USA geboren sein, er muss mindestens 35 Jahre alt sein und 14 Jahre in den USA gelebt haben. Das Ding fällt also für meine Jobsuche schon mal aus. Da kann ich mir also die Gedanken sparen, ob 400 Tausend Dollar Jahresgehalt, Dienstflugzeug, Dienstheli (nicht -hubi!), diverse Dienstwohnungen und eine gepanzerte Dienstkarre (nicht -knarre) es wert sind, dass regelmäßig auf einen geschossen wird. Die Dienstkarre übrigens finde ich ziemlich “ghetto” und ich habe da diese Phantasie, wie ich in dem “beast” mit heruntergelassenen Scheiben, heraushängenden Armen und lautem Gangsta-Rap durch die Hoods von downtown Oakland fahre. Neben mir auf dem schwarzen Leder sitzt e. und …

Warte mal!

Da sind wir doch jetzt minimal vom Thema abgekommen. Ich wollte doch vom Wahlkampf in Kalifornien berichten. Und das ist schnell gemacht, denn es gibt ihn nicht, er findet nicht statt. Kalifornien ist fest in der Hand der Demokraten (etwa 60% der Stimmen) und damit werden die 55 kalifornischen Wahlmänner für Barack Obama stimmen. Wahlkampfgeld ist aus Sicht beider Kandidaten besser in den Staaten investiert, in denen die Stimmenverteilung bei etwa 50% liegt, wer immer auch nur einen minimalen Vorteil herausholen kann, bekommt die Stimmen aller Wahlmänner des Staates. Florida zum Beispiel ist vergleichsweise zuverlässig unter den unentschlossenen Staaten (swing state) und damit “battle ground“.

An dem Thema bleiben wir mal dran, shall we? Das ist schließlich ein spannendes Feld. Für heute läuft mir hier die Zeit davon, es ist 22:00 Uhr und ich muss noch einkaufen. Und Ihr wollt nicht wissen wie ich drauf bin, wenn ich morgen zum Frühstück nicht mein Steak mit Speck belegen kann. Solong!

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Raging gorilla und angry anaconda

Ein Baumarkt aus der Region schaltet meiner Meinung nach sehr gute Radiowerbung. Die Spots sind alle ähnlich aufgebaut und haben die Form: “Wenn Sie nicht wissen, wie sie mit dem 125er Reduzierstück den drehverzinkten Krümmer querschweißen, sprechen Sie mit uns.” Oder: “Wenn Sie am Ofenrohr die Niromanschetten untergesteppt hochführen wollen ohne das die Passbolzen in der Schnalze abkanten, fragen Sie uns.” Ich kenne mich in der Materie nicht so aus, aber mit folgendem Problem bin ich vertraut: “If handling your hose feels like wrestling an angry anaconda, speak with us!”.

Niemand kämpft gerne mit der angry anaconda oder gar dem raging gorilla. Mit letzterem hatte e. gestern zu tun. Wir waren in den Santa Cruz Mountains unterwegs und hatten eben zur Mittagszeit in einem kleinen Diners unsere Bestellungen aufgegeben. Die gewissen Örtlichkeiten bestanden aus einem einzelnen gekachelten Raum, e. hatte den aufgesucht und eben die Tür hinter sich abgeschlossen, als von draußen die Klinke bedient wurde. Es folgte ein zweiter Versuch, schon etwas robuster. Die Tür war noch immer abgeschlossen und das ist – wie ich finde – wenig überraschend. Dennoch wurde nach kurzer Bedenkzeit heftig an der Klinke gerüttelt und schließlich mit Fäusten auf die Tür eingetrommelt, raging gorilla! Vor der Tür stand aber keine 130 Kilo Dampfwalze im Hochdruckmodus, sondern ein blondes Mädchen, kaum 10 Jahre alt und sehr zierlich.

Es gibt neue Photos.

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Independence Day

Gestern sind die Vereinigten Staaten von Amerika 236 Jahre alt geworden, am 4. Juli 1776 erklärten sich die 13 britischen Kolonien entlang der Ostküste der heutigen USA für von Großbritannien unabhängig und bezeichneten sich in der Unabhängigkeitserklärung als die Vereinigten Staaten von Amerika. Zu dem Zeitpunkt kämpften die 13 Kolonien schon seit einem Jahr gegen die britischen Truppen, weitere 7 Jahre würde der Unabhängigkeitskrieg noch dauern.

Unser Hummingbird feeder hat sich herumgesprochen und ist stark frequentiert:

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Katze abzugeben (2/2)

Die Anzeige war keine halbe Stunde online, da klingelte das Telefon. Eine Frau war dran, sie fragte als erstes nach dem Preis für die Katze und das weckte e.s Misstrauen. Trotzdem gaben wir ihr unsere Adresse und eine weitere halbe Stunden später stand sie an unserem Gartentor. Der Nasenring fiel mir als erstes auf, gefolgt von den gefärbten roten Haaren und der Hornbrille. In den geweiteten Ohrläppchen trug sie münzgroßen Schmuck vermutlich aus Glas und in ihre Haare hatte sie Muscheln eingeflochten. Sie begrüßte uns sehr freundlich und stellte uns gleich ihre Freundin (girlfriend) vor, die mitgekommen war.

Ich mochte die beiden und e. auch. Das ist hier nicht Berlin, wo selbst der Bürgermeister schwul ist, hier sind die gemäßigten Breiten der konservativen USA. Ich bewundere den Mut und die Aufrichtigkeit, in so einem Umfeld zu seinem Leben zu stehen und sich selbstbewusst nicht zu kümmern um das, was andere vielleicht denken mögen. Und ich finde es schade und traurig, dass es auch heute noch Menschen gibt, die in unterschiedlicher Tiefe verbohrt sind in ihrer Vorstellung davon, was akzeptable Lebensentwürfe sind.

Die beiden saßen eine gute Weile mit uns im Garten am runden Tisch (inzwischen von e. gewischt) und haben mit Mika gespielt oder sie beim Tollen im Garten beobachtet. Schließlich haben sie sich kurz beraten und beschlossen, dass sie das Kätzchen nehmen würden sofern wir sie ihnen geben wollen. Wir hatten keine Bedenken, es wird ihr gut gehen.

Unsere Vermieterin hatte während der ganzen Zeit dringend im Garten zu tun und als die beiden mit der Katze abgezogen waren, kam sie mit folgender Einschätzung der Situation: “Naja, die beiden waren ja nicht gerade traditionell …”.

 

“Als Mensch ist man entweder Teil des Problems, oder Teil der Lösung.” (Gorbatschow)

“Ich bin nicht schwul, aber ich wünschte ich wäre es nur um die ganzen Schwulenhasser anzupissen.” (Curt Kobain)

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Katze abzugeben

In Deutschland verstehen sich die meisten Menschen als Deutsche. In den USA verstehen sich die meisten Menschen als von Deutschen abstammend. 15,2% der Amerikaner geben an, deutsche Vorfahren zu haben und damit wären die Deutschstämmigen die größte Volksgruppe in den USA. Meiner Meinung nach ist das aber weniger eine belastbare Tatsache als vielmehr ein Hinweis auf Vorlieben in der Darstellung der eigenen Vergangenheit. Bei zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern, sechzehn Ur-urgroßeltern (und so weiter!) findet sich vermutlich in fast jedem Stammbaum ein Deutscher. Oder ein Italiener. Oder ein Ire. Wenn also so viele Amerikaner von Deutschen abstammen wollen, dann ist das vermutlich ein Indiz für ein gewisses Ansehen der Deutschen in den USA.

Die Vorgänge der letzten drei Tage lassen mich etwas klarer erkennen, warum das so ist. Ich will Euch die Details ersparen, nur so viel: e. und ich sehen uns plötzlich in einer Situation, in der wir nicht mehr nur auf die Katze Mika aufpassen. Die Katze gehört plötzlich gar nicht unseren Vermietern, eine Eigentümerin wohnt auf einem Boot und will aber die Katze nicht mehr. Dazu gibt es dann hier noch irgendwelche Geschichtchen und dort noch irgendwelcher Text. Im Ergebnis haben wir eine junge Katze am Hals, für die sich niemand mehr verantwortlich fühlt. Ich bilde mir ein, in Deutschland würde so schnell nicht so verantwortungslos mit jungem Leben umgegangen.

Anyway, e. und ich sind pappsauer und wir haben einen ordentlichen Streit mit unseren Vermietern vom Zaun gebrochen. Amerikaner haben deutscher Streitkultur übrigens wenig entgegenzusetzen. Am Ende weint unsere Vermieterin fast und ihr Mann steht betreten daneben. Aber es nützt nichts, die beiden können mit der Katze nicht umgehen und e. und ich haben ganz sicher andere Sorgen als jetzt unseren Hund an eine Katze zu gewöhnen und später dann mit einem Hund, einer Katze und womöglich noch einer Python sowie einem niedlichen Krokodil im zu kleinen Aquarium einen neuen Vermieter von unserer Seriösität zu überzeugen.

Tierheime nehmen keine Katzen mehr und so bleibt uns nichts anderes übrig, als eine Anzeige mit drei niedlichen Fotos ins Internet zu stellen. Zu den anderen Achzigmillionen Katzenbabys, die ein neues Zuhause suchen :

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Hi, I am Mika, a female kitten. I am just 8 weeks old and yet I have somehow a troublesome past. The first thing that I can remember is that I found myself in a box in the dogpark at Point Isabel. A friendly woman picked me up there and brought me to a woman in a wheelchair. I think I asked for too much playing and the woman in the wheelchair could not keep up and so I got back to the friendly woman and lived with her on a boat for some days. I can not really tell how it came that I am now at this home in El Cerrito but I understand that I cannot stay here.

I am looking for a caring home and a loving human, a garden would be so great. I do sleep a lot but also I do play for one or two hours a day. I sometimes overstep my boundaries while playing and I will need someone to teach me not to bite or to scratch (I am a fast learner!). I cannot remember having seen a vet at any point in my life. I am trained to use my litter box and I do get along with friendly dogs.

I know what it is like to be pushed around and I so much wish for a nice permanent home. If you care for me and teach me I will love you.

Why don’t you call e., she lives here with me: four-five-seven five-one-seven-two

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Wie das ausgegangen ist, erzähle ich Euch morgen.

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Mika

Ein Ergebnis, dass im allgemeinen Konflikt steht zu menschlichen Wertvorstellungen und Überzeugungen, lässt sich entspannter erreichen, wenn der Vorgang und die Verantwortung geteilt wird. Früher wurden Katzenbabys ertränkt, heute wird passiv-arbeitsteilig vorgegangen. So kam es denn, dass vor einigen Wochen eine Pappbox mit Katzenbabys im Hundepark abgestellt wurde. Alles was wir darüber nun sicher wissen ist, dass eine der Katzen es über viele Zwischenschritte in den Dunstkreis unserer Vermieter geschafft hat. Warum jetzt allerdings wir zwei Tage auf “Mika” aufpassen, darauf habe ich schon gleich gar keine Antwort mehr.

Das quirlige Kleintier hat uns letzte Nacht den Schlaf geraubt, bevor ich schließlich um 4:00 Uhr heute Morgen die Gittertür wieder an unsere Hunde-Flugbox montiert und die Katze eingesperrt habe. Mika war kurz unzufrieden und hat sich dann schlafen gelegt. Ich habe für die Idee verdächtig viel Lob von e. bekommen. Hoffentlich hält sie nicht “Wegsperren” für eine universelle Strategie in Konfliktsituationen. Ich darf nicht vergessen, übermorgen die Gittertür abzubauen und zu verstecken.

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