Der Beförderungsvertrag

Wer – so wie ich – als Deutscher aus Amerika in Deutschland unterwegs ist, kann sich unter Umständen mit dem Problem konfrontiert sehen, dass er gerne von einem Punkt A zu einem anderen Punkt reisen muss, etwa (aber nicht ausschließlich) “B”. Wer das mit der Deutschen Bahn machen möchte – was unter Umständen ein verwegenes Unterfangen sein kann – , dem bietet der pfiffige Reisekonzern die Möglichkeit, sich vorab im Internet über Fahrzeiten zu informieren und ein Ticket zu buchen. Das geht ganz problemlos in 17 einfachen Schritten. Die Bahn hat den Prozess sogar so weit optimiert, dass der Reisende weder ein Passbild einschicken, noch seinen Sozialversicherungsausweis mitführen muss. Die Frage nach dem gemeldeten Wohnsitz allerdings scheint sich nicht vermeiden zu lassen und ein amtliches Ausweisdokument muss der Reisende auch mitführen oder zumindest die Kreditkarte, mit der die Reise bezahlt wurde. Die Fahrkarte selbst wird auf nur zwei DIN A4 Seiten ausgedruckt, und das ist erstaunlicherweise genügend, um alle wichtigen Informationen und Hinweise unterzubringen. Etwa den, dass nun ein Beförderungsvertrag entstanden sei.

Während der Zugreise kommt nach jedem Halt die Schaffnerin durch den Wagen und knipst Fahrkarten. Sie hat einen kleinen Trick, um zu erkennen, wer neu zugestiegen ist. Sie fragt einfach “Ist jemand neu zugestiegen?” Den Reisenden zwei Reihen vor mir weist sie darauf hin, dass das hier nicht die erste Klasse sei. Er will da aber nicht hin, da ginge die Klimaanlage nicht. Bis hierher hatte ich das auch von der zweiten Klasse gedacht.

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Ein Deutscher aus Amerika in Deutschland

Nichts ist in Kalifornien so deutsch wie ein Airbus der Lufthansa nebst Besatzung. In der Reihe vor uns wird ein Fluggast von der Stewardess ordentlich rundgemacht, er solle endlich die Lehne in eine aufrechte Position bringen und seine Füße gehören auch nicht an die Wandpanele, ob er das Zuhause auch mache? “Ja, schon, it’s comfy?”, gibt der zurück, aber die Stewardess ist schon weitergelaufen, widerspruch ist nicht vorgesehen. Ein Airbus der Lufthansa nebst Besatzung ist Deutschland, selbst auf einem kalifornischen Rollfeld.

Der Flughafen München macht einen sehr ordentlichen Eindruck, allerdings auch wieder stickig und viel zu warm, Klimaanlage kaputt? Sehr viele Menschen tragen Anzug und Kravatte, gern auch zu lang oder zu kurz gebunden. In Kalifornien ist das (weiße) Hemd zu Jeans und dunklen Schuhen die angemessene business attire, Stoffhose oder sogar Jacket sind schon sehr förmlich und Kravatte is basically unheard of. Wir rasten kurz an einem Podium mit Autowerbung: “Wollten Sie nicht schon immer einen Golf mit 300ps fahren?” – “Ähm… nein? Weder das eine noch das andere?”

Der erste Tag in Deutschland, es ist grau und verregnet, dafür ist alles satt grün, leuchtend fast. Und es riecht frisch. Auf der Autobahn rauscht Stoßstange an Stoßstange ein Rudel Kleinwagen an uns vorbei, der letzte hat ein “Baby on Board”.  In Lüneburg hat es auf offener Straße eine Bandenschießerei gegeben, should I be concerned? Die amerikanischen Behörden haben soweit noch keine Reisewarnung für Deutschland herausgegeben. In der Innenstadt gibt es in diesen Tagen jedenfalls mehr Polizisten als Kinder.

Die chemische Reinigung für meine Hemden habe ich nur gefunden, weil zwei ältere Damen überschwenglich freundlich mir den Weg gezeigt haben. Den positiven Eindruck hat die Fachverkäuferin gleich wieder ausgeglichen und mich angepampt, weil ich “Kleiderhaken” sagte und nicht “Kleiderbügel”. Dabei sieht sie mich an, als sei ich die letzte Lusche und nicht ihr einziger Kunde in dem Moment. Und Kartenzahlung geht nicht, nur Bargeld.

Nach zwei Jahren USA benehme ich mich in meinem Land wie ein Fremder. Es würde nicht lange dauern, sich wieder anzupassen, aber nach der Zeit ist jedenfalls vieles in Deutschland auffällig: Das viele Grün, das Leitungswasser schmeckt nach Stein (und nicht nach Chlor). Die vielen verbissenen Gesichter , aber auch die Hilfsbereitschaft. Die Ernsthafte Verlässlichkeit und Qualität, aber auch die Besserwisserei und die getragene Wichtigtuerei. In Deutschland ist der Job unkündbar und die Wohnung auch, die Wochentage sind fest verplant (Bundesliga, Tatort, Golf und Spieleabend). Sicherheit ist wichtig und Schicksal ist meistens negativ.

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Drought

Drought – Dürre; Trockenheit

Santa Cruz County gehört mit zu den regenreichen Regionen der Erde, die Niederschlagsmenge im Jahr ist höher als in Berlin. Aber nicht im Sommer, da regnet es gar nicht. Und auch nicht in den letzten beiden Jahren, da hat es im Winter nicht genug geregnet. In der Folge sind die Stauseen leer, Wasser ist rationiert (nur noch 2.500 Liter pro Haushalt und Monat) und Garten sprengen ist verboten.

Nun ist eine Besonderheit hier, dass das wenige Wasser aus den Santa Cruz Mountains abfließt und sich sammelt, in kleinen Tümpeln im Flußbett und auch in einem bemerkenswert hohem Grundwasserspiegel.

Und das zieht die Tiere an, vor allem die Coyotes aus den Bergen. Sie folgen den Flußläufen und sammeln sich zum Beispiel bei uns zwei Häuser weiter im Arana Gulch Park. Im Nachbarschaftsnetzwerk finden sich die ersten Beschwerden von Anwohnern, die sich beim Spazierengehen von den Tieren terrorisiert fühlen (“Der Kojote ist mir gefolgt und hat sich nicht vertreiben lassen!” ). Es hat aber anscheinend noch nie Angriffe von Kojoten auf Menschen gegeben. Nur Katzen und kleine Hunde sollten Nachts nicht draußen bleiben, so heißt es von der Parkverwaltung.

Kojoten sollen sehr intelligent sein. Ich habe leider noch keine gesehen, aber wir können sie definitiv nachts jaulen hören. Unser Hund ist davon vollkommen unbeeindruckt.

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Was hat der August gebracht?

Besorgte Anrufe und Emails von Verwandten und Freunden aus Deutschland nach dem 6,0 Erdbeben in Napa, nördlich von San Francisco. Es geht uns gut, es ist nichts passiert, wir haben es noch nichteinmal Gespürt. In Napa sind einige Schäden entstanden, etwa 60 Menschen wurden verletzt, Glasscheiben sind gesplitter und Ziegelwände und Schornsteine sind eingefallen, es gab keine Todesopfer.

Das ist nicht selbstverständlich, Anfang August forderte es ein Erdbeben ähnlicher Stärke im mit Napa County vergleichbar dicht besiedeltem Ludian County in China 2.400 Verletzte und fast 600 Todesopfer.

Kalifornien ist weltweit führend bei der Erdbebenforschung und -vorsorge, einige behaupten sogar, “wir” seien besser als die Japaner. 😉 Vielleicht sind “wir” aber auch nur wegen externer Faktoren besser, es ist hier weniger dicht besiedelt und die Erdbeben sind seltener und schwächer als in Japan.

Das Erdbeben in Napa war jedenfalls das stärkste seit dem Loma Prieta Beben 1989 in den Santa Cruz Mountains. Loma Prieta war eine 6,9, die Erde bebte für 20 Sekunden und nach 2,5 Minuten gab es ein Nachbeben der Stärke 5,0. Es folgten viele kleinere Nachbeben in den folgenden Wochen. In Downtown Santa Cruz gab es einige Schäden, alles was gemauert ist, fällt bei einem Erdbeben ein. Seid beruhigt, unser Haus ist aus Holz.

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Maut diesseits und jenseits des Atlantik

Auf der Golden Gate Bridge wird Maut fällig. Mit jeder Fahrt in südlicher Richtung. Gezahlt wird online.

Die in Deutschland in diesen Tagen diskutierte allgemeine Maut ist diesem simple gestrickten amerikanischen Modell einmal mehr wieder weit voraus. For starters hat das deutsche Modell den freundlichen Namen “Infrastrukturabgabe”, das klingt einfach nett. Und die Abgabe wird – wie sich das gehört – vollkommen unabhängig von irgendwelcher Nutzung fällig. Allerdings leider noch nicht unabhängig vom  Vorhandensein eines PKW, da ist zum Beispiel die GEZ Abgabe etwas besser durchdacht.

Die Infrastrukturabgabe als zweckgebundene Gebühr wird – so der Plan – mit den Autofahrern jährlich abgerechnet. Ähnlich etwa wie der Solidaritätszuschlag, der ja auch nicht einfach nur eine Steuer ist, wie vielfach in großer Unwissenheit behauptet wird. Überschüsse werden dann erstattet, soweit sie nicht – that goes without saying – für ein populistisches Großprojekt benötigt werden. Hinter vorgehaltener Hand ist die Rede von der Rente ab 53 oder dem neuen Gezeitenkraftwerk an der Ostsee. Claudia Kleinlich von den Sozialistischen Christen zu der Position ihrer Partei: “Der Staat braucht Geld und wozu sonst sind die Bürger da?”

Bei diesen positiven Aussichten bleibt zu hoffen, dass sich auch für die neue Vignette noch irgendwo Platz auf den schon gut verklebten deutschen Windschutzscheiben findet. Der tote Winkel hinter der Feinstaubplakette immerhin hat weniger Opfer gefordert als zunächst befürchtet, von der Seite also gibt es noch etwas Luft.

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Protected: NfN, der erste Zahn.

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Santa Cruz, zwei Jahre. And counting.

Jeden vierten Mittwoch im Monat findet in Santa Cruz unser deutscher Stammtisch statt. Stammtischsprache ist Englisch. Wegen der Amerikaner, die dabei sind. Die dabei sind, um Deutsch zu lernen. Deutsch zu lernen, weil ihre Vorfahren (Wie die Vorfahren fast aller Amerikaner) Deutsche waren.

Die Amerikaner am Stammtisch lieben Deutschland, sie waren oft häufiger schon dort, sie kennen Berlin, den Posdammer Platz, die Siegessäule, das Brandenburger Tor, sie waren im Pergamonmuseum. Sie bewundern das Sozialsystem, den öffentlichen Verkehr, die Autobahn, die auf Kompromisse ausgerichtete Politik, die kostenlosen Universitäten.

Die Deutschen am Stammtisch lieben Kalifornien, sie leben zum Teil schon lange hier, sie mögen die freundlichen und rücksichtsvollen Menschen, die vielen Kulturen, das gute Wetter, das gute Essen, die Landschaft und die Natur, den Strand am Pazifik, sie schätzen die Freiheit und den Staat, der sich nicht einmischt.

Meine persönliche Einschätzung nach zwei Jahren Santa Cruz ist leider neuerdings geheim. Zu viel Schwärmerei sei unseriös, so habe ich gesagt bekommen. Und undeutsch sei es auch. Und da will ja niemand hin. 😉

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Die Schönheit der Deutschen Industrie Norm (DIN)

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Die ganze Welt nutzt das Papierformat DIN A4. Die ganze Welt? Nein! Ein von unbeugsamen Freigeistern bevölkerter Landstrich nördlich der mexikanischen Grenze hört nicht auf, sich dem weltweiten Standard zu widersetzen.

Ausgangspunkt ist der Bogen DIN A0. Er ist genau ein Quadratmeter groß und die Papierstärke wird über das Gewicht beschrieben, z.B. 80 Gramm je Quadratmeter. Die Seitenlängen sind so definiert, dass bei seiner Halbierung parallel zur kurzen Seite zwei neue Bögen Entstehen, die wieder dasselbe Seitenverhältnis haben: DIN A1. Genauso entsteht aus DIN A1 A2, aus A2 entsteht A3 und aus A3 ensteht A4. So geht das übrigens beliebig weiter, unendlich sozusagen, wenngleich die Maße nach der Norm immer gerundet werden auf den Milimeter.

Wie das also bei sehr kleinen Papierbögen aussieht, weiß ich nicht. Das will ich auch gar nicht wissen und mit den Kleingeistern, die das wissen, will ich nichts zu tun haben.

Der Punkt ist doch nur: Das ist ein schönes System, klar, sauber und rund! Und (wie so vieles in der Vergangenheit) 1922 in Deutschland erfunden.

In den USA und in Kanada gibt es auch verschiedene Papierformate (Letter, Government Letter, Legal, Junior Legal, Ledger, Tabloid) und verschiedene Papierstärken. Aber da steckt kein System hinter, das sind einfach nur irgendwelche Größen und Stärken. Natürlich in Inch und pound definiert und nicht in irgendwelchen gängigen, weltweiten SI Einheiten.

Meine Hypothese ist ja, dass die Amerikaner weit überdurchschnittlich intelligent sind und daher keine Probleme damit haben, wenn 1.760 Yards eine Meile sind, Wasser bei 32 Grad gefriert oder ein cubic foot 1.728 cubic inches sind.

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We will be back!

Also, es geht nun wieder nach Europa, im September und nur für kurz, aber immerhin. Erstes Problem: Bei Lufthansa kostet die Reservierung eines Bassinets für ein Baby jetzt neu 50 Euro pro Flug. Also, strenggenommen: Das Bassinet ist kostenlos zu reservieren, aber wenn wir direkt davor sitzten wollen (wollen wir das? wirklich?), dann kostet die Reservierung des Sitzplatzes pro Person und Flug 25 Euro. Zwei Personen und mit Zwischenstops fünf Flüge, you do the math.

Eigentlich können wir aber auch echt woanders sitzen, ich meine: Wenn N. schläft, braucht sie uns nicht und wenn sie schreit, dann ist auch besser woanders sitzen.

Rückflug geht übrigens über Swiss, da kann die Hotline der Lufthansa nix machen und wir müssen bitte direkt dort anrufen. Swiss gehört zwar der Lufhansa, but who cares? Servicewüste Deutschland.

Die Swiss Kundenhotline ist täglich erreichbar, also jeden Tag, auch Sonntags. Allerdings immer nur zwischen 8 Uhr und 11 Uhr. Also 11 Uhr morgens that is. Die Schweizer sind die besseren Deutschen, auch auf dem Feld “Servicewüste”.

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Creditscore

Nach nun etwas über zwei Jahren in den USA und liebevoller Pflege unseres Creditscores haben wir die Höchstgruppe erreicht, wir sind uneingeschränkt Kreditwürdig. Das hat Konsequenzen, unser Stromversorger hat uns unsere Kaution zurückgezahlt, unsere Kreditkarten werden ohne Jahresgebühr geführt, wir können problemlos Wohnungen und Büros mieten und wir bekommen stapelweise Angebote für neue Kreditkarten mit der Post. Die anzunehmen würde übrigens bedeuten, dass der Creditscore gleich wieder etwas schlechter wird.

Am Ende ist es in den USA wie überall auf der Welt, wer finanziell schlecht aufgestellt ist, für den wird das Leben teurer.

Interessant ist auch folgendes: Die wirklich reichen Amerikaner haben für gewöhnlich nur mittelmäßig gute Creditscores. Es kümmert sie einfach nicht.

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