Pferde bei BK

e. hat diesen Platz als neues Zuhause ausgewählt, wegen der Nähe zum Pazifik, wegen der Hummingbirds, des schönen Gartens und der gelungenen Innenaufteilung. Ich habe diesen Platz als neues Zuhause ausgewählt, weil gleich um die Ecke der Bürgerking seine Hackfleisch-im-Weißbrot-Menüs feilbietet, fußläufig ist möglich (aber unamerikanisch). Diese anderen Gründe haben für mich aber auch eine Rolle gespielt, natürlich.

Gestern war ich zum ersten Mal dort. Es war spät und der Bi-Kay hatte geschlossen, aber  der Drivethrough war geöffnet. Was das nun wieder für Rückschlüsse auf die amerikanische Gesellschaft zulässt, dazu habe ich noch keine abschließende Einschätzung. Ich orderte das mittlere Menü und habe die freundliche Dame am Ausgabefenster auch darauf noch einmal hingewiesen, als sie den riesigen Papp-Eimer für meine Cola ohne Eis an den Getränkespender stellte. Ja klar sei das die mittlere Coke, wurde ich beschieden. “Where are you from?”, fügte sie hinzu. Aber so nicht und mit mir nicht mehr, “I live next street.”, ließ ich sie wissen.

Zuhause habe ich abgetrunken was immer ich konnte und doch hat sich der Stand im Eimer kaum um 2cm reduziert. Ich denke mir, dass die Portionen so ausgelegt sind, dass  die durstigen Cowboys, die nach wochenlangem Ritt durch die Wüsten Nevadas und Arizonas in Santa Cruz ankommen, auch ihre Pferde von der süßen Brause saufen lassen können: “Hier Jolly, das hast Du Dir verdient!”

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Wahlkampf

Es gibt in den USA nur zwei relevante Parteien, die Republikaner und die Demokraten. Historisch waren die Republikaner die liberale Partei, sie waren gegen Sklaverei und für die Gleichberechtigung von Weißen und Schwarzen. Die weißen Farmer aus den Südstaaten haben zu den Zeiten traditionell die Demokraten gewählt. Das hat sich im Verlauf der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts geändert, die Demokraten wurden liberaler und die Republikaner konservativer. Heute wählen die Südstaaten Republikanisch und der Nordosten und der Westen der USA eher Demokratisch.

Der Begriff “liberal” wird dabei in den USA weniger im Sinn der Deutschen FDP als eher in Richtung der Partei der Grünen verstanden. Wenig Staat, geringe Steuern und wenig Regulierung sind das Programm der Republikaner, die Demokraten stehen ein für staatliche Krankenversicherung, höhere Steuern, Einwanderung und Sozialtransfers.

Vermutlich sind langfristig die Demokraten besser ausgerichtet, denn die Jugend, die Einwanderer, die Farbigen, die Latinos, die Frauen und die gut ausgebildeten sind eher Wähler der Demokraten. Vielen ist die Partei dabei immer noch zu konservativ, etwa hinsichtlich des Waffenrechts, der Todesstrafe oder den Rechten von gleichgeschlechtlichen Paaren. Aber warum sollte sich die Demokratische Partei weiter links aufstellen, auf der Seite gibt es keine Konkurrenz.

Der typische Wähler der Republikaner ist älter, weiß und männlich. Trotzdem ist die GOP, die Grand Old Party, mit Ihrem Kandidaten in den Umfragewerten durchaus auf Augenhöhe mit dem aktuellen Präsidenten. Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil der Kandidat Mitt Romney seine Ansichten mit dem Parteiprogramm der Republikaner synchronisiert hat und nun zu vielen wichtigen Themen das Gegenteil von dem sagt, was er vor einigen Jahren gesagt hat. Außerdem will er die Steuern für reiche weiter senken, die meisten Amerikaner sind dagegen. Er will die staatliche und kostenlose Krankenversicherung für die über 65jährigen abschaffen, den älteren, weißen und männlichen Wähler dürfte das nicht gefallen. Er hat seine Steuererklärungen der letzten Jahre nicht veröffentlicht, obwohl das üblich ist seitdem kein geringerer als sein Vater in seiner Kandidatur für das Präsidentenamt 1968 damit angefangen hat.

Der trotz alledem relative Gleichstand zwischen Obama und Romney zeigt, wie unzufrieden die Amerikaner mit Obama sind. Zwei Themen stehen dabei im Vordergrund, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung.

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Berichtigung

Vor einigen Tagen wurde hier die Behauptung aufgestellt, der frühe Vogel fange den Wurm. Wir sind diesbezüglich darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Sachverhalt in der Form falsch oder jedenfalls mindestens unvollständig wiedergegeben ist. Zunächst sei dazu die Kehrseite zu bedenken, nämlich das Schicksal des frühen Wurms. “Früh aufstehen” als Aktivität verliere in der globalen Betrachtung damit an Attraktivität. Dieser Blog nimmt dazu wie folgt Stellung, wir sagen: Das ist richtig. Dank an CK aus B. für diesen Hinweis.

Einen Schritt weiter geht Per aus B.-dorf mit der Anmerkung, es sei die zweite Maus, die den Käse fresse. Und auch hier müssen wir einlenkend klarstellen: Das ist korrekt.

Also, vergesst die Sache mit dem Vogel. Schlaft Euch ordentlich aus.

Aufstehen erst, wenn die Sonne keinen Schatten mehr wirft...

Aufstehen erst, wenn die Sonne keinen Schatten mehr wirft…

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Greencard Issues

Meine Greencard ist im Februar abgelaufen, kurz bevor wir eingereist sind. Neunzig Tage vorher (und keinesfalls früher) durfte ich den Antrag auf Verlängerung stellen. Anschließend habe ich vom Office of Homeland Security and Immigration Services einen fotokopierten Standardbrief bekommen, dass mein Antrag eingegangen ist, in Bearbeitung ist und ich mich bis Februar 2013 weiter ohne Einschränkungen im Land aufhalten darf. Vor einigen Wochen kam ein weiterer Brief mit der Bitte, umfangreiche Unterlagen und Beweise beizubringen dafür, dass meine Ehe eine gute Ehe ist, eine “Marriage in good faith“. Selbst bei sehr guten Freunden bilde ich mir nicht ein, das beurteilen zu können und kann mir kaum vorstellen, wie das nach Aktenlage entschieden werden soll. Wir haben gemeinsame Rechnungen geschickt, Mietverträge, Fotos und Erklärungen von Freunden.

Darunter ist auch eine Erklärung von Feuerwehrmann M., der inzwischen kein Feuerwehrmann mehr ist, sondern sich in Chico zum Police Officer ausbilden lässt. In San Francisco liegen die Einstiegsgehälter für Police Officers zwischen 88 und 112 Tausend USD, die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll, die Durchfallquoten sind hoch und M. wirkt erschöpft. Er wird ein guter Police Officer, da sind wir sicher. Kurioserweise wird niemand den wir kennen so oft von der Polizei angehalten wie M. Das wird an seiner selbst für amerikanische Verhältnisse sehr defensiven Fahrweise liegen ebenso wie an seinem total heruntergekommenen (“beat up“) uralt Truck.

M. sagt er werde jetzt schon weniger angehalten, seitdem er im Heckfenster wieder Glas und nicht mehr die passend zurechtgesägte Sperrholzplatte durch die Gegend fährt.

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Leben in Santa Cruz, CA 95062

Steter Sonnenschein schafft eine Wüste, so heißt es. Aber wir halten dagegen und gießen die Rasenflächen und einige Pflanzen jeden zweiten Tag. ‘Jeden zweiten Tag’, dazu sagen die Amerikaner ‘Every other day’, wörtlich übersetzt ‘Jeden anderen Tag’, also streng mathematisch ‘nie’. ‘Every day’ oder ‘Jeden Tag’ müssen wir dagegen den Müll rausbringen, sonst stinkt es beziehungsweise (für die vornehmen unter uns) es ‘riecht’. Die Müllabfuhr kommt Montags früh, greift sich den Hausmüll mit einem Roboterarm, kippt sich den Unrat hinter und spült die Tonne anschließend aus, damit es nicht ‘riecht’. Etwas später werden Gartenabfälle abgeholt und dann Recycling. Wir bekamen letzte Woche eine Anleitung auf die Tonnen gepappt, wie die hinsichtlich Ausrichtung und Abstand korrekt an den Straßenrand zu stellen seien.

Die Post kommt jeden Tag, die Postbotin sitzt rechts in ihrem kleinen Wagen und fährt direkt an die Briefkästen heran. Zugeparkte Briefkästen sind unhöflich. Pakete kommen drei Mal täglich, von UPS, Fedex und noch irgendeiner. Sie werden einfach auf die Veranda gelegt und niemand bekommt das mit, selbst unser so called ‘Wachhund’ (eigene Darstellung) nicht. Kriminalität gibt es in unserem Viertel nicht und in Santa Cruz wenig, vielleicht frustriert sie das?

Strom kostet weniger als die Hälfte der Deutschen Preise (Benzin auch), Wasser ist knapp aber praktische kostenlos und wie teuer das Heizen im Winter wird, müssen wir noch abwarten. Fernsehen kann abhängig von den gewünschten Kanälen sehr teuer werden, Internet ist teurer und Handy moderat teurer als in Deutschland. Insgesamt ist das Leben in Santa Cruz um die Hälfte teurer als im U.S. Durchschnitt, aber da sind eben auch Regionen bei, wo man fürs Wohnen bezahlt werden möchte.

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Hummingbirds

Die Welt hat einen Artikel veröffentlicht, in dem sie behauptet, die Deutschen verzweifelten an den hohen Wohnpreisen. Der Artikel enthält eine Grafik nach der aus 100,- € investiert in Wohnimmobilien in 1990 heute 135 € geworden sind. Danach ist die Wertsteigerung von Wohnimmobilien aber in dem Zeitraum etwa 1,4% und unterhalb der Inflationsrate (1,9%) geblieben. Unterstellt man nun einen fixen Zusammenhang zwischen Wert einer Immobilie und der erzielbaren Miete (Der Immobilienwert wird oft mit dem 11 bis 13-Fachen der Jahreskaltmiete abgeschätzt), dann bedeutet das, dass auch die Mieten relativ gesunken sind. Von hohen Wohnpreisen kann keine Rede sein.

Inflationsbereinigt ist Wohnen in Deutschland in den letzten 20 Jahren also billiger geworden und warum auch nicht, ein Steinhaus hält ewig und die Bevölkerung schrumpft.

Hummingbirds:

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Sonnenuntergang am Santa Cruz Woods Lagoon

Es heißt der frühe Vogel fange den Wurm. Ich finde das nicht sonderlich motivierend und daher habe ich auch keine Last damit zuzugeben, dass folgende Bilder nicht beim Sonnenaufgang entstanden sind. Eher das Gegenteil ist wahr. Was bedeutet das? Die Bilder sind nicht beim Sonnenaufgang entstanden? Richtig! Die Bilder sind beim Sonnenuntergang entstanden? Schon wieder richtig!

Sonnenuntergang am Strand von Santa Cruz.

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Was ist anders, Stecker und Spannung

Im Grunde ist damit alles gesagt, die Stecker sind andere und die Spannung im Stromnetz auch. Was hat das für Konsequenzen? Die Geschichte mit den Steckern ist lästig, wir haben nur vier Adapterstecker und einen davon haben wir schon verlegt, er ist damit so direkt nicht mehr verfügbar. Bei Amazon gibt es für 3,12 USD die Adapterstecker im 12er Pack und sobald die da sind, ist das erste Problem gelöst.

Was aber ist mit dem zweiten Problem? Das besteht fort und lässt sich ohne weiteres nicht lösen, in den USA werden im Hausnetz 110 Volt und 60 Herz verwendet, in Deutschland 230 Volt und 50 Herz. Die Leistung der elektrischen Geräte bemisst sich nach Spannung multipliziert mit der Stromstärke. Eingängiger ist das Problem bei einer Wassermühle, das Wasser kommt oben rein, dreht die Mühle und fließt unten wieder heraus. Die Leistung der Mühle ist abhängig von der Fallhöhe des Wassers (entspricht der Stromspannung) und der Wassermenge (entspricht der Stromstärke). Die Leistung von viel Wasser aus geringer Höhe kann wenig Wasser durch viel Höhe auch erbringen, technisch ist keine Lösung der anderen überlegen. Bei viel Wasser braucht es aber dickere Rohre und bei hoher Stromstärke dicke Kabel. Dafür muss hohe Stromspannung besser isoliert werden und da hört die Analogie mit dem Wasser auf.

Es sind aber erstaunlich viele technische Geräte in der Lage, mit unterschiedlichen Stromgegebenheiten zurecht zu kommen. Ob oder ob nicht das geht steht irgendwo auf dem Gerät bei den technischen Daten unter “Input”, z.B. 100 – 240 Volt. Laptops vertragen natürlich das ganz große Spannungsspektrum aber auch viele andere Geräte haben uns überrascht, mein großer Monitor und der Dokumentenscanner etwa. Zum König der Spannungswelt haben wir aber e.s altes Küchenradio gekürt, gebaut vermutlich in den frühen 80er Jahren und dennoch an jeder Steckdose dieser Welt Zuhause, Hut ab!

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All Engines Shut Down

Der letzte Karton ist ausgepackt und die Wohnung ist eingerichtet. Kann man hier leben? Ja, das geht schon.

Ich bin so etwas wie ein Licht-Gourmet, das heißt, eine Leuchtstoffröhre an der Decke ist keine vertretbare Wohnzimmerbeleuchtung. Mein Hang zu ausgefeilteren Lösungen hat sich schon früh gezeigt, als ich zum Beispiel in meinem Studentenzimmer durch eine  unter dem Couchtisch befestigte Glühbirne für indirekte Beleuchtung gesorgt habe. Ich wurde dafür belächelt und dachte mir, ich sei meiner Zeit damit einfach voraus. Heute bezweifle ich ein wenig, dass solche Zeiten je kommen werden. Aber das ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich damals mit meinen bescheidenen Mitteln den ersten Prototypen einer Untercouchtischbeleutung hergestellt habe. Das Modell hatte zwar viele Mängel, das Leuchtmittel wurde viel zu heiß, die Tischplatte schmorte von unten vor sich hin, oben wellte sich das Furnier und im ganzen Raum roch es nach verbranntem Lack. Aber das Licht war gemütlich und darauf kommt es an. Außerdem stärkt es den Charakter, wenn man belächelt wird.

Euer Licht-Gourmet wird es schwer haben in Kalifornien. Zunächst einmal gibt es hier keine Glühbirnen sondern nur Energiesparlampen mit diesem fürchterlichen weißen Licht. Und dann können wir die mitgebrachten Lampen nicht verwenden, weil die amerikanischen Glühbirnen ein anderes Gewinde (konkret: eine andere Gewindesteigung) haben. Als ob das nicht schlimm genug wäre, sind die Menschen hier so liberal, dass ich nicht weiß was ich tun soll, um belächelt zu werden.

Neue Photos

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Touchdown

Wir haben fast alle Kisten ausgepackt und wir sind damit im Vergleich zu vorigen Umzügen spektakulär weit für den dritten Tag in einer neuen Wohnung. Das liegt einfach daran, dass in einer amerikanischen Wohnung großzügig Einbauschränke vorhanden sind und Stauraum damit erstmal kein Thema ist. Außerdem ist die Küche vollständig eingerichtet, Lampen und Gardinen hängen und Waschmaschine und Trockner sind vorhanden. Im Vergleich dazu beginnt der Einzug in eine neue Wohnung in Deutschland auf einem Rohbau-Niveau.

Wir haben fast alle Kisten ausgepackt und ich war gelegentlich belustigt über die Einpacker in Deutschland, zu denen uns der amerikanische Zoll gezwungen hatte (“Natürlich dürfen Sie auch selber einpacken, aber dann nehmen wir an der Grenze alles wieder auseinander…”). Da waren zwei Zahnstocher liebevoll in Einpackpapier gewickelt und eine Sprühflasche enthielt noch echtes deutsches Blumenwasser Jahrgang Dezember 2011 (Geruch neutral, Geschmack habe ich  nicht überprüft). Nach den Schrauben für den Bettkasten haben wir zwei Tage lang gesucht, sie fanden sich schließlich in der Kiste “Kabel”. Überhaupt war das Verhältnis von Beschriftung und Inhalt kein sehr harmonisches.

Wir haben fast alle Kisten ausgepackt und obwohl wir schon vorher so viel ausgemistet hatten, haben wir immer noch von allem viel zu viel. Wir hatten 99% unserer belongings Acht Monate lang nicht verfügbar. War das eine besonders düstere Zeit? Das habe ich so nicht in Erinnerung.

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