Foxtail

Unser Hund E. wird morgen unter Vollnarkose operiert. Die Tierärztin hat gestern “Foxtail” diagnostiziert. Foxtail sind Samen von bestimmten Grasssorten die kleine Widerhaken haben und sich damit im Fell, zwischen den Zehen, in der Nase, in den Ohren oder im Mund der Tiere festsetzen. Die Samen sind so scharf, dass sie sich von dort ins Fleisch oder in innere Organe bohren können. Das kann für Hunde tödlich enden.

E. hat den Samen vermutlich im hinteren Rachenraum, der Hals ist an einer Stelle dick wie eine Pflaume. Hoffen wir, dass alles gut geht.

E. mit dickem Hals

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Das Klo am oberen Ende der Wendeltreppe

Das empfundene Risiko hat oft nichts mit der tatsächlichen Gefahr zu tun, und die Lücke dazwischen entsteht meiner Meinung nach aus Unwissenheit. Vermutlich ist die Bevölkerung inzwischen weitgehend von dem Wissen durchdrungen, dass der Sensemann die Hand führt, wenn Susi die Haare in der Badewanne föhnt oder Herbert mit dem Messer im Toaster nach seinem Frühstück fischt. Aber wie ist die Gefahrenlage zum Beispiel beim Segeln? Im Sturm? Weit draußen auf dem Ozean? Statistisch gesehen eine unbedenkliche Situation. Die (mit Abstand) gefährlichste Situation beim Segeln ist im Hafen, beim Arbeiten am Boot: Ausgerutscht, Kopf aufgeschlagen und bewusstlos und ohne Schwimmweste im ruhigen Wasser ertrunken.

Das empfundene Risiko ist zu niedrig, sonst würden vermutlich mehr Menschen die Situation durch Tragen einer Schwimmweste auf das Niveau ihrer Risikobereitschaft entschärfen. Die individuelle Risikobereitschaft wirkt aber auch in anderer Weise gegen uns. Ich kann aus eigener Anschauung berichten, dass ich mit meinem Roller damals ganz anders unterwegs war (aaahhhh, oh-oh, gaaanz vooorsichtig jetzt …) als einige Jahre später mit dem Auto (olé-olé, das passt schon!).

Aus unserer Wohnung führt im Flur eine Wendeltreppe nach oben in das Badezimmer unserer Vermieter. Die Wendeltreppe wird von unserem Flur durch etwas getrennt, das ich hier sehr wohlwollend eine Tür nennen möchte. Eine Tür ohne jedweden Schallschutz. Mich hat das nicht gestört, meine Haltung war getragen von der Einstellung “lass die mal machen”. Offenbar aber wurde die Sachlage am oberen Ende der Wendeltreppe … verkrampfter gesehen. Diese Erkenntnis leite ich von den aufwändigen Maßnahmen ab, mit denen die Tür nun gedämmt wurde.

Ist es nun leiser? Nein, die Lärmemissionen wurden der neuen Situation angepasst, es ist genauso laut wie vorher. Mich stört es immer noch nicht, lass die mal machen. Aber ist es nicht spannend? Die Ereignisse legen den Schluss nahe, dass besserer Schallschutz durch  höhere Lärmverschmutzung ausgeglichen wird, ebenso wie größere Sicherheit durch riskanteres Verhalten. Jetzt stellt sich gleichsam natürlich die Frage, ob denn auch Schallschutz und Risikoverhalten korrelieren?

Ich glaube, die Frage möchte jetzt jeder alleine in seinem Herzen bewegen.

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Marco, Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Ich war 16 als ein guter Freund und Klassenkamerad beschloss, er sei jetzt reif für die Tanzschule (war er nicht, aber das ist eine andere Geschichte). In einer Schulpause teilte er mir seinen Beschluss mit und fügte hinzu, kommende Woche ginge es los. Ich war über das Ansinnen befremdet. Dennoch zog ich am selben Abend nach, teilte meinen Eltern den Entschluss mit und beauftragte sie, alles weitere zu veranlassen.

Die Tanzschule erreichte ich in einer halbstündigen Fahrradfahrt durch den Stadtwald. Ich erinnere mich daran, dass es oft genau in der halben Stunde geregnet hat. Ich erinnere mich an eine gute Zeit. Ich erinnere mich, dass ich nach meinem Alter gefragt wurde: “16? Alter Schwede! Bist Du alt!”. So sagte man das damals.

Wie das alles mit Marco zusammenhängt, wissen nur Eingeweihte. Aber es hängt zusammen, das kann ich versichern.

Marco, alles Gute zum Geburtstag und unsere besten Wünsche aus der Ferne. Wir wünschen Dir für das neue Lebensjahr alles Gute. Und vielen Dank für die vielen Kommentare im Blog.

Kommentare frei für Glückwünsche an Marco, Leute, gebt alles!

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Creditscore

Zucker verleiht dem Kaffee einen bitteren Geschmack, wenn er fehlt. Genauso wie Geld das Leben verteuert, wenn es fehlt. Das gilt grundsätzlich für Deutschland und den USA , aber in den USA besonders, denke ich. Wer kein Geld hat, ernährt sich ungesünder, raucht häufiger, wird häufiger krank, zahlt mehr Krankenversicherung, bekommt schlechtere Konditionen bei Girokonto, Kreditkarte, Krediten. Und. So. Weiter.

Teile meines Lebens hängen auch in diesen Bereich hinein und das liegt am Creditscore. Der Creditscore steigt mit jedem erfolgreich zurückgezahlten Kredit. Wer noch nie einen Kredit oder eine Kreditkarte (eine amerikanische wohlgemerkt) hatte, der hat auch keinen Creditscore, und ohne vernünftigen Creditscore gibt es auch keinen Kredit. Und keine Kreditkarte und kein Telefon und keine Mietwohnung. Und seinen Strom muss man sich vermutlich auch aus der Autobatterie zapfen, sofern man in der Situation nicht sowieso im Auto wohnt.

Aber das wäre nicht Amerika wenn es keine Lösung gäbe. Also zumindest für die, die Geld haben. Die Bank ist freundlicherweise bereit, auch uns eine Kreditkarte auszuhändigen. Bedingung ist, dass wir bei der Bank genau so viel Geld hinterlegen, wie wir als Limit auf der Kreditkarte bekommen. Denken wir das rund: Die Bank verleiht nun unser hinterlegtes Geld an … uns. Und nimmt dafür Zinsen. Und Jahresgebühren.

Immerhin geht das nun nicht mehr lange so, denn mein Creditscore ist diesen Monat von oh-lala auf oh-jaja gestiegen! e. ist schon bei juhu-juhu, ich habe keine Ahnung, wie sie das nun schon wieder gemacht hat.

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Die Spitze des Eisbergs

E. hat über die letzten Tage ihre neue Fähigkeit verinnerlicht und bewundert sich selbst: Sie zieht die Tür zum Garten am T-Shirt auf und beobachtet dann neugierig und mit schief gestelltem Kopf, wie die Tür langsam wieder zuschwingt (sie ist leicht schief eingebaut, daneben dass sie nicht richtig schließt). Dann geht sie hin und zieht sie wieder auf. Ich sitze am Tisch und betrachte unseren Hund nachdenklich. Ich stelle mir vor, dass die ersten Hominiden mit einer ähnlichen Mischung aus Spieltrieb und Neugier entdeckt haben, dass sie die Welt verändern können. Heute verändert wir nicht nur, wir tun das mit einem Maximum an Effizienz. Unser Geheimnis ist die Arbeitsteilung, wir teilen Aufgaben, wir vertiefen unsere Kompetenz und wir übernehmen Verantwortung. Das funktioniert, wir waren auf dem Mond.

Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in Berlin wird zum zweiten Mal verschoben.

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Neuer Dogbeach in Santa Cruz

Die Stadt Santa Cruz hat einen ihrer Strände als Hundestrand ausgewiesen. Dem ist einige Diskussion vorangegangen und ich kann das nicht nachvollziehen. Als Hundebesitzer freue ich mich doch über einen Strand für mich und meinen treuen Freund.  Und als nicht-Hundebesitzer freue ich mich doch über einen Strand für den Hundefreund und seine Töle. In Santa Cruz am Pazifik angekommen habe ich mich gleich an ein seriös aussehendes Pärchen mit Hund gewandt. Mein Ansinnen war herauszufinden, wo denn nun der neue Hundestrand sei. Beide kannten sich in dem Thema aber nicht aus und waren der ganzen Sache gegenüber auch eher freigeistig eingestellt. Er deutete mit dem Daumen über die Schulter auf den nächsten Strand und meinte leichthin, sein Hund spiele gerne hier. Ich war verwirrt und fragte nach, ob das denn kein Ärger gebe? Nun war das Pärchen verwirrt, weswegen Ärger jetzt? Egal, ich lenkte mein Schritte zu e. zurück, die mit E. bei Diego wartete, machte ein lässige Bewegung mit dem Daumen über die Schulter und äußerte, E. würde bestimmt gerne an diesem Strand spielen. Die Reaktion war verhalten, ob das denn kein Ärger gebe?

Wir müssen noch lässiger werden, aber das habe ich schon immer gedacht.

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Quadratur des Kreises

Vielleicht habt Ihr diese hippen bedruckten T-Shirts auch schon gesehen auf denen die Zahl i zu der Zahl Pi sagt “be rational” (Sei vernünftig!) und die Zahl Pi antwortet “get real” (Werde realistisch!). Das ist ein ganz, ganz trauriges Wortspiel. Denn zwar ist die Zahl Pi reell und nicht rational, aber die Zahl i ist imaginär und weder rational noch reell und bei solcher Lage der Dinge höchstens noch dumm, den Streit überhaupt zu eröffnen. Pi sollte also besser antworten “Ich würde das geistige Duell ja gerne annehmen, aber du bist ja unbewaffnet!”.

Der Vater der Kreiszahl Pi ist Archimedes, der den konstanten Zusammenhang zwischen dem Umfang eines Kreises und seinem Durchmesser beziehungsweise der Fläche eines Kreises und dem Quadrat seines Radius bewies. Er beschrieb auch, wie sich die Zahl näherungsweise berechnen lässt. Weiter sind wir heute auch nicht. Abgesehen davon, dass wir seit 1882 wissen, dass es weiter auch nicht geht: Pi lässt sich nicht berechnen, die Fläche eines Kreises lässt sich nur annähern. Das Problem der Quadratur des Kreises ist nicht lösbar.

Heute war ein schöner Tag und ich hätte mich gerne an unseren runden Tisch auf der  Terrasse gesetzt. Dafür aber hätte ich das Biest wischen müssen. Und damit fange ich erst gar nicht an, solange nicht klar ist, um wie viel Fläche genau es geht.

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Der Wetterhahn

Eines Tages drehte sich der Hahn auf dem Kirchturm nicht mehr nach dem Wind – da hielten ihn alle für arrogant. In Wahrheit war er nur verklemmt.

Unsere Vermieter haben auch einen Wetterhahn auf dem Dach. Der ist nicht verklemmt und auch nicht arrogant, er schwenkt ohne schuldhaftes Zögern auf die richtige Windrichtung ein. Dennoch sind unsere Vermieter mit ihm unzufrieden. Es heisst, sein Sockel sei nicht ganz dicht und der Regen bahne sich dort seinen Weg.

Kleiner Exkurs: Ich persönlich vertrete die Ansicht, dass dergleichen Baumängel mit dem Maßsystem zu tun haben. Wenn 12 Inch ein Foot ist und 3 Foot ein Yard und da sind dann 5 Yard 2 Foot und 7 Inch “Wand” abzüglich 1 Yard und 9 Inch “Tür”, wieviel “Fußleiste” brauche ich dann (und das ist nur eine Dimension!)?   Das System ist “An accident waiting to happen” und mich verwundert es nicht, wenn am Ende die Fußleiste zu lang ist, die Tür nicht schließt, ein Stück Wand fehlt und der Wettergockel nicht ganz dicht ist. Zumal der brain-to-muscle-Quotient auf Baustellen unter dem Bevölkerungsdurchschnitt liegen dürfte (no evidence, just speculation!). Vielleicht, so spekuliere ich weiter, sind US-Bauarbeiter durch das komplizierte System metrischen Bauarbeiten geistig überlegen? Gibt es dazu Daten?

Willkommen im Gedankengebäude der Controller. Ich kann Euch auch in anderen Räumen herumführen.

Oder vielleicht ein Andermal.

Exkurs Ende.

E. und der Wetterhahn sind keine Freunde, hockt er da oben, bewegt sich und läßt sich durch Bellen nicht vertreiben. Ich sag nur: brain-to-muscle. (hoffentlich geht das durch die Zensur…)

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Es funktioniert einfach nicht.

“Schnee” als Wetterphänomen kannte ich zwar, als wir nach Deutschland umzogen – ich war zwölf – ich hatte es aber lange nicht erlebt und freute mich darauf. Als eines Morgens im Herbst Raureif unser Viertel weiß einhüllte, prognostizierte ein Junge aus der Nachbarschaft, nun würde es bis zum ersten Schnee nicht mehr lange dauern. Für mich eine ungeheuerliche Vorhersage, nämlicher Junge rückte in meinem Ansehen sofort in die Nähe eines weisen germanischen Medizinmannes. Ich hätte ihn gerne gefragt, wie viele unterschiedliche Vokabeln für “Schnee” er kennt, aber ich traute mich nicht. Heute erscheint mir seine Vorhersage in etwas anderem Licht. Das ist aber gar nicht wichtig. Wichtig ist sich daran zu erinnern, mit welcher kindlichen Freude wir früher die Welt erlebt haben.

Bei Spazierengehen heute mit E. treffe ich auf eine Familie mit kleiner Tochter und noch kleinerem Hund. Der Vater grüßt mich “Hi there!” und ich grüße zurück “Hello, how are you?” – “Oh, I am doing very well, how about you?” – “I am fine and it’s a lovely day.” – “Yes, it’s a great day.” Kindliche Freude ist vermutlich eine Frage der Haltung, so grob Richtung Heiterkeit und Staunen.

Ebenso fast kindlich ist meine Freude über Kolibris. Über meine Faszination für die Tiere hatte ich verschiedentlich schon berichtet. Es gibt in Kalifornien insgesamt sechs Arten, am häufigsten sehe ich den Anna’s Hummingbird, der, ebenso wie der Allen’s und der Black-chinned Hummingbird das ganze Jahr hier ist. Dagegen ziehen Calliope, Costa’s und Rufous Hummingbird im Winter nach Mexiko (oder darüber hinaus). Seit einigen Tagen haben wir einen Kolibri-Nektar-Spender aufgehängt, aber bisher waren unsere Bemühungen vergeblich, die Tierchen damit anzulocken. Was ist los, falscher Zucker, falsches Mischungsverhältnis, Spender zu unansehnlich? Ich habe keine Ahnung, es funktioniert einfach nicht …

 

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Linux

“I’m doing a (free) operating system (just a hobby, won’t be big and professional like gnu) for 386(486) AT clones.”

Am 25.8.1991 hat Linus Torvalds mit diesen Zeilen in einer Mailingliste sein kleines Projekt angekündigt, aus dem später Linux entstanden ist, das Betriebssystem für Computer, das Rückgrat des Internet und die technische Grundlage für viele weitere Entwicklungen wie z.B. das Android Betriebssystem für Handys. Linus Torvalds hat diese Entwicklung nicht nur angestoßen, er hat auch seine Arbeit im Internet kostenlos zur Verfügung gestellt und dafür gesorgt, dass auch alle darauf aufbauenden Arbeiten veröffentlicht und kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen.

Heute wird Linux von unzähligen Programmierern und Unternehmen weltweit gepflegt, verbessert und weiterentwickelt. Es ist ein sehr vielseitiges, modernes und mächtiges Betriebssystem geworden. Linux ist modular aufgebaut und wie zum Beispiel beim Auto auch, entsteht durch die Auswahl und Zusammenstellung ganz unterschiedlicher Module ein Sportcabriolet, ein Kleinbus oder ein LKW. Unter Linux werden diese unterschiedlichen Fahrzeuge ‘Distributionen’ genannt. Es gibt Distributionen für alte Computer (Puppy Linux), für den USB-Stick (Tiny Core Linux), für Unternehmen (openSuse), für den Technikfreak (Fedora), es gibt etablierte Distributionen (Debian) und hunderte weitere.

Die Stadt München setzt seit einigen Jahren Linux in der Verwaltung ein, spart Millionen an Lizenzkosten an Microsoft und ist sehr zufrieden. Ich nutze Linux auch seit einigen Jahren, ich bin auch sehr zufrieden, ich spare allerdings nicht ganz so viel wie München. Dennoch sind es einige Euro, die ein Laptop ohne Betriebssystem preiswerter ist als einer mit Windows. Ein Betriebssystem übrigens, das auf mich selbst in der neuen Version reichlich eingestaubt und träge wirkt. Ein Mal im Jahr muss ich auf die dunkle Seite, die Steuersoftware Elster gibt es nicht für Linux. Das ist zwar kein Drama, Linux kann weitere Betriebssysteme in Fenstern (oder im jeweils Vollbildmodus) starten, aber die Unzulänglichkeiten dieser so weitverbreiteten MS-Produkte ist irritierend.

Linux ist kostenlos und Ubuntu-Linux ist kostenlos, es kann legal hier heruntergeladen werden. Die technische Hürde ist, die heruntergeladene Datei auf eine DVD zu brennen. Wer die überwindet, kann Ubuntu von DVD starten und nutzen. Die Installation auf die Festplatte ist eine Option, aber nicht zwingend. Weitere Software gibt es im Menüpunkt “Software-Center”, Spiele, Texte, Fotos, Videos, es ist für alles alles da. Die Installation ist ein Klick, eine spätere Deinstallation auch. Keine Eingabe von Seriennummern, kein Hantieren mit CDs, einfacher geht es nicht. Freie Software ist eine der ganz großen Entwicklungen.

Linus Torvalds ist vor einigen Tagen für sein “kleines Projekt” und für seine weitere Arbeit daran für den Millennium Technology Price ausgewählt worden. Die Übergabe erfolgt am 13. Juni in Helsinki zusammen mit einer Million USD.

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