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Wir müssen Abschied nehmen
Der Winter kommt. Die Hummingbirds werden nach Mexico migrieren. Der Annas Hummingbird bleibt zwar in Kalifornien, aber er taucht im Winter nicht an der Tränke auf, ich weiß nicht, warum. Vielleicht mit dem Nachwuchs beschäftigt? Das soll ja – was man so hört – eher stressig sein.
Hier ist ‘clearly’ was schiefgelaufen
Die Gesellschaft für Konsumforschung hat die Markenattraktivität von weltweit 50 Grossstädten bewertet und dabei ist Los Angeles auf Platz 7. Diese Wahrnehmung ist hands down totaler Schwachsinn, clearly nonsense. Los Angeles ist eine Betonwüste, ein unattraktives Molloch. Da gibt es nichts zu sehen, ausser einigen Buchstaben auf einem Hügel, viel Botox, einem Walk of Fame, irgendwelchen Fimstudios und das ganze liebevoll eingebettet in einem rund-um-die-Uhr Verkehrsinfart. Dann lieber Urlaub in Soltau.
Leider muss man durch LA, um nach San Diego zu kommen. Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens geht das ganz gut. Vorher kann man sich Santa Monica ansehen, da ist alles was wir Deutsche in LA vermuten.
Die Liste der GfK hält noch andere skurrilitäten bereit, London vor Sydney und Paris etwa. Oder NY auf Platz 4 … naja, naja …
Hello halloween
Der Tagesspiegel hat kürzlich einen Artikel gebracht, darin beschrieb der genervte Autor, wie zu Halloween jedes Jahr wieder marodierende Vorschulkinder durch die Wohngegenden Berlins ziehen und bewaffnet mit Eiern und Ketchup von der verängstigten Bevölkerung Süssigkeiten erpresst. Tja, was soll ich dazu sagen, det is Berlin. If you can’t stand the heat, get out of the kitchen. Man kann ja auch aufs Land ziehen. Oder nach Hannover.
Oder nach Santa Cruz. Hier läuft das nämlich so: Wer bei Halloween mitmachen möchte, muss das irgendwie am Haus kenntlich machen, z.B. durch einen ausgehölten Kürbis nebst Beleuchtung. Dann kommen mit Einbruch der Dunkelheit die kleinen Kinder, kunstvoll verkleidet und unter Aufsicht mindestens eines Erwachsenen. Nach dem Spruch “Trick or treat” (wobei sie auf das erste gar nicht vorbereitet sind) dürfen die kleinen in die Süssigkeitenbox greifen. Der Reihe nach, jeder nur eins und dann wird sich artig bedankt. Ein kleines Mädchen musste noch mal bei mir vorsprechen, weil die Mutter nicht zufrieden war mit der etwas genuschelten Dankesformel.
Neue Nachbarn
Hatte ich eigentlich schon berichtet, dass wir neue Nachbarn haben? Die Familie mit drei Kindern (alle sehr gut erzogen), zwei Hunden (eher nicht so gut erzogen), zwei Katzen (haben sich regelmässig in unserem Garten erleichter, need I say more?), diversen Kanarienvögeln, Fischen und was weiss ich nicht noch alles ist ausgezogen. Die Familie hatte auch zwei Trucks mit überdimensionierten Motoren und jeden Morgen erzitterte das Viertel, wenn “er” seinen RAM 3500 Bighorn zündete und zur Arbeit fuhr. Unsere neuen Nachbarn sind Rentner und fahren einen Honda, haben keine Kinder und keine Haustiere, die Situation hat sich also klar verbessert.
Die Zeit der Wale
Sie sind wieder da, die Wale. Sie ziehen vor der Küste von Santa Cruz vobei Richtung Norden. Von oben, von den Klippen sind sie leicht zu erkennen, sie tauchen an die Wasseroberfläche heran und atmen kurz vorher aus. Bisher habe ich geglaubt, dabei entstünde eine hohe Wasserfontäne, die sich dann sogleich zu einer kleinen Wolke zerstäubt. Das ist aber falsch. Vielmehr ist es so, dass der warme und feuchte Atem der Wale in der kühleren Luft kondensiert und nämliches Wölkchen bildet. Das habe ich in so einem Artikel gelesen. Darin stand auch, dass Wale bis zu 5.000 Liter Lungenvolumen haben, 90% des darin enthaltenen Sauerstoffs verwerten und im Ergebnis über eine Stunde lang tauchen können.
5.000 Liter Luft. Was schafft meine Lunge? Wenn ich da an Luftballons denke, das ist grundsätzlich schwach und geht dann noch je nach Hersteller runter bis Null. Vor allem die kleinen Biester sind ja meistens eine Zumutung.

Datenschutz
Ein zweites Gebiet, auf dem die Amerikaner in diesen Tagen häufig nach Deutschland blicken, ist der Datenschutz. Durch die NSA – Affäre ist das Thema im Land aktuell und vielen Amerikanern gilt Deutschland als ein Land mit einer auf diesem Gebiet sensiblen Bevölkerung. Das wird festgemacht an Dingen von selbst so alt wie den Protesten bei der Volkszählung 1987 bis hin zu den Diskussionen um Google Streetview und den schlussendlich zu tausenden ausgeblendeten Häuserfassaden.
Am Rande solcher Betrachtungen habe ich kürzlich in einem Artikel gelesen, dass in Deutschland (noch immer) jeder seinen Wohnort polizeilich melden müsse. Wie könne denn das sein? Und wie ginge denn das zusammen? Ratlosigkeit beim Autor. Aber das sei ja noch lange nicht alles, so erklärt da einer wissend in den Kommentaren zu dem Artikel. Deutschland – und das wisse er aus eigener Anschauung – sei nämlich auch das Land der gemischten Nacktsauna!
Ja, daran erinnere ich mich auch noch… Aber gehört das denn tatsächlich in die Oberkategorie “Datenschutz”?
In den USA schon, und zwar aus folgendem Grund: Datenschutz heisst auf Englisch “Privacy protection“. “Privacy ” bedeutet aber auch Intimsphäre.
Also kein Datenschutz am Nacktbadestrand.
Politik
Wer ist schon wirklich zufrieden mit dem politischen System in seinem Land. Die meisten Amerikaner jedenfall sind es nicht. Viele mißtrauen allem, was aus Washington kommt. Und sie finden sich darin bestätigt durch den Government Shutdown: Die bekommen gar nichts mehr hin! Und übrigens funktioniert ja trotzdem alles!
Da geht in diesen Tagen der verträumte Blick häufig nach Deutschland: Nur sechs Wochen Wahlkampf, viel mehr Parteien, kaum Polemik und dann werden Kompromisse geschlossen und eine Regierung gebildet. So denken die Amerikaner.
Und die Deutschen denken: Da hat die Partei gewonnen, die als einzige versprochen hat, die Steuern nicht weiter zu erhöhen und dann wird der Punkt das erste Opfer der Kompromisse. ‘Süperb’!
Das grüne Gras… Immer auf der anderen Seite.









Denglish
Nach nun bald zwei Jahren in den USA kann ich zwar nicht mehr rückwärts einparken, aber ich kann sehr oft englische Texte von deutschen Autoren erkennen. Here is why:
Actual heisst nicht aktuell, sondern wirklich; Handy, Oldtimer und Beamer gibt es im englischen nicht, sie heissen mobile phone, classical car und computer projector: A beamer ist ein BWM (Auto) und steht meistens mit Elektronikproblemen am Strassenrand. To become (werden) is not to get (bekommen), a lecture (Vortrag) is not a reading (Lektüre), massive (riesig) is not solid (massiv), a physician (Arzt) is not a physicist (Physiker), pregnant (schwanger) is not concise (prägnant), self-conscious (verlegen) is not self confident (selbstbewusst), a hut (Hütte) is not a hat (Hut), a preservative (Konservierungsmittel) is not a condom (you get that one). Ordinary heisst gewöhnlich und nicht ordinär; der Vorgesetzte heisst boss, ein chef ist ein Koch, eventually heisst irgendwann, a gift ist ein Geschenk and not poison. A brand ist eine Marke, a mark ist eine Zensur (Note) und ein Brand is a fire. To wink heisst zwinkern und nicht winken, the undertaker ist kein Unternehmer, sondern ein Leichenbestatter. Payback bedeutet Rache und wer jetzt noch motiviert ist, kann ja mal nachsehen, was public viewing bedeutet.
The list goes on and on.
Englisch ist keine leichte Sprache, es ist eine Sprache mit einem sehr großen Wortschatz und mit sehr vielen Nuancen. Es ist eine sehr schöne Sprache und ich finde es nicht schlimm, dass ich nicht mehr rückwärs einparken kann.