OK, reicht!

Es ist 05:33 Uhr an diesem jungen Montag Morgen und wir sind beide wach, ich habe ein komisches Gefühl und kann rückblickend gar nicht mehr sagen ob schon davor oder erst danach. Das Vorbeben hat uns geweckt, das Hauptbeben kommt Acht Sekunden später mit einer Magnitude von 4,0. Das Epizentrum liegt nur einen Kilometer von uns entfernt (auf einem Golfplatz). Es ist für uns beide das erste Erdbeben.

Wie fühlt es sich nun an, ein Erdbeben? Zunächst einmal, es hat ordentlich gerumst, als kleine Demonstration der Möglichkeiten hat es mir vollkommen gereicht. Begleitet von einer Art Donnergrollen hat es uns durchgeschüttelt wie bei diesen Landungen “ich laß jetzt mal meinen Copiloten ran”. Im Laufe des Tages haben die Behörden das Beben auf die Magnitude 3,5 zurückgestuft.

Zur Orientierung: Ein Erdbeben der Magnitude 4,0 setzt die Energie von 15 Tonnen Sprengstoff frei, ein Beben der Magnitude 6,0 ist um den Faktor 1.000 stärker und bei der Magnitude 8,0 sind wir bei dem Faktor 1.000.000. Ein Beben der Stärke 4,0 ist aber immer noch 2,5mal stärker als unser 3,5er Beben heute Morgen.

Wir sind alle nur zu Gast auf dieser Welt.

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Frisbee

Vor E.s Ankunft schon hatten wir ihr eine Frisbee gekauft, im Hundeladen und mit den auf der Verpackung beworbenen Eigenschaften “bissfest” und “schwimmend”. Das Ding ist die größte Enttäuschung in meinem Leben seit ich bemerkt habe, dass M&Ms sehr wohl in der Hand schmelzen. Gleich nach den ersten Würfen dokumentierten Löcher in der Flugscheibe, dass mit “bissfest” jedenfalls nicht Hundebisse gemeint sein können. In einem launigen kurzen Wortwechsel haben e. und ich uns dann gegenseitig herausgefordert, möglichst genau abzuschätzen, wie viele Einsätze das flache Rund wohl überstehen würde. Vier oder Fünf, mehr würde sie nicht schaffen. Heute war ihr dritter Einsatz und die zweite Enttäuschung traf uns vollkommen unvorbereitet. Jetzt ist klar, dass mit “schwimmend” jedenfalls nicht “im Pazifik” gemeint sein kann.

Bis zum Hundestrand an der Pazifikküste von San Francisco sind es von uns etwa 40 Minuten Fahrt. Der Strand ist sehr breit und fällt flach ins Wasser ab, die Wellen brechen weit draussen und die Brandung hat einen weiten Weg. Das ganze ist ein idealer caniner Spielplatz und gelegentlich werden wir unserem Hund (und uns) die weite Anreise gönnen.

Frisbee vor ihren letzten Einsätzen

 

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Wildlife

“Als ich in Sacramento arbeitete, hatte ich eines Freitags keine Lust mehr auf die Stadt und bin daher abends in einen nahen Nationalpark gefahren. Es wurde gerade dunkel, als ich meinen Wagen auf einem Stellplatz auf dem Campingplatz einparkte. Der nächste Stellplatz war 30 Meter zu meiner Linken, dort war ein langer Tisch aufgebaut und eine im Alter gemischte Gruppe hatte sich im Gespräch an einem Ende versammelt. Auf dem anderen Ende standen die Vorräte. Daran machte sich eben ein Bär zu schaffen. Ich kurbelte mein Fenster herunter und rief hinüber: “Entschuldigt mal, da ist ein Bär an Eurem Essen!” Entsetzt stob die Gruppe schreiend auseinander. Der Bär, gerade noch in den Tiefen der Kühlbox abgetaucht, schreckte hoch und hatte nun die Kühlbox über den Kopf gestülpt. So seiner Sicht beraubt und im Umfeld des ganzen Geschreis, geriet er nun selbst in Panik und lief orientierungslos brüllend umher. Schließlich bekam er die Box abgestreift, sagte sich “ich bin raus” und verschwand zügig im Unterholz.”

Ich bin schon gespannt, welche Geschichten wir heute beim Abendessen im Jachtclub zu hören bekommen. Unsere Vermieter sind dort jeden Freitag zum Abendessen und wir sind selbstverständlich dabei. Morgen bin ich zum Jollensegeln eingeladen, ganz großes Kino! Noch keinen Monat in San Francisco, noch keinen Job, aber schon im Jachtclub, ganz großes Tennis!

Die eingangs geschilderte Geschichte soll sich vor einigen Jahrzehnten zugetragen haben. Braunbären sind aber auch heute noch verbreitete Bewohner nicht nur entlegener Gebiete in Kalifornien. Auf vielen Campingplätzen finden sich Bearcontainer für die Lebensmittel und bärensichere Mülleimer. Die Natur ist hier nah bei, die Stadtgrenze von El Cerrito überschneidet sich mit dem Revier eines Berglöwen, unbebaute Grundstücke werden mit dem Rehwild der Region geteilt und wir erkämpfen täglich unser Wohnrecht gegenüber den Ameisen. Wir sind nicht allein auf diesem Planeten.

E. ist gejetlagt, die Fütterungszeiten sind durcheinander und sie ist ziemlich müde. Wir waren mit ihr im Dogpark am Point Isabel, direkt am Ufer der East Bay. Der Park bietet sehr viel Auslauf, Hundetränken, Hundeduschen, reichlich Tütenspender mit Mülleimern und Panorama auf Downtown San Francisco und Golden Gate.

E. in the Dogpark

E. and e. in the Dogpark

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E., geboren in Brandenburg, lebt jetzt in Kalifornien

Wir sind gestern abend erst schlafen gegangen, nachdem um 01:10 der Status des Lufthansa Fluges LH454 von Frankfurt nach San Francisco im Internet auf “abgeflogen” stand, keine Verspätung bis dahin. Heute morgen nun war die Ankunft der Boing 747-400 in SFO für 11:56 angekündigt, rund 40 Minuten vor der Zeit, sehr schön. Es regnet in Strömen, als wir uns um 10:00 Uhr auf den Weg machen, das Wasser läuft in breiten Bächen die Straßen herunter. E. ist zu der Zeit an der kanadischen Pazifikküste kurz vor Einflug in den US-Luftraum. Wir kämpfen uns auf der Bay Bridge im dichten Verkehr immer weiter hinein in das graue Nichts Richtung Flughafen.

Wir erreichen den Luftfrachtbereich um Elfhundertdreissig Uhr, LH 454 hat sich wieder verspätet und landet jetzt um Zwölfhundertfünfundfünfzig. Vor 13:30 wird der Hund nicht erwartet. Wir gehen essen, ich bekomme Hackfleisch im Sesambrötchen und e. bekommt auf ihre Frage nach vegetarischen Gerichten gesagt, das Hackfleisch könne natürlich weggelassen werden. Das klingt nur kurz nach einer guten Idee. Um 13:15 sind wir wieder vor Ort, E. ist angekommen, aber wir müssen erst mit den Papieren zum Zoll, Formsache. Schließlich werden wir in die Lagerhalle vorgelassen, E.s Transportbox steht mit einigen anderen Tierboxen auf einer Europalette, der Hund liegt zusammengerollt im hinteren Bereich und schaut mißtrauisch durch die Gittertür.

Wie mag das sein, 16 Stunden transportiert zu werden ohne zu wissen, warum und wohin. Wobei ich dabei unterstelle, dass E. sich diese Fragen überhaupt stellt, was nicht notwendigerweise der Fall sein muss. Von der Tierstation am Frankfurter Flughafen über das Vorfeld in den Cargobereich der 747, stundenlange Dunkelheit und unbekannte Geräusche, Turbulenzen vielleicht, Anflug und Landung, grelles Licht und Ausladen, Gabelstapler, Transporter, wieder Gabelstapler und schließlich die Lagerhalle. Eine Stunde steht sie hier, bevor aus dem Nichts und als erste e. am Gitter rüttelt.

Große Freude, die sich auf dem Parkplatz vor dem Gebäude steigert, der Hund ist außer sich und wir auch. Nach etlichen Minuten hält E. kurz inne, schaut sich um und schnüffelt etwas ratlos. Die Sonne hat den Regen inzwischen verdrängt, es ist warm.

E. geht es gut, sie geht noch immer gerne in ihre Transportbox. Was macht sie für sich aus den Ereignissen der letzten Stunden, aus unserem Auftauchen in der Lagerhalle, aus ihrem Aufwachen in einer taghellen Nacht, an einem sommerwarmen Wintertag? Was mag sie erlebt und gesehen haben? Wir werden es nicht erfahren. Es ist schön, dass sie da ist.

Danke CS.

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E. ist unterwegs.

Mehr Informationen sind zur Zeit nicht verfügbar.

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Walkability-Index

Der Walkability-Idex beschreibt auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 100 (sehr – na, das kriegt Ihr alleine hin), wie gut Bürger einer Stadt ohne Automobil zurechtkommen können (oder könnten, denn niemand hier hat ernsthaft kein Auto). Unsere Stadt El Cerrito hat einen Walkability-Index von 26 und wir wissen seit heute, warum das so ist. Diego steht in der Werkstatt und wir sind zu Fuß unterwegs. Unsere Wohngegend liegt oben auf dem Berg und unten im Tal ist alles, was der moderne Mensch regelmäßig benötigt, Supermarkt, Banken, Post, Läden aller Art, Bars, Diners, Restaurants, und so weiter. Von hier nach dort führen geschwungene und dennoch Straßen in der Qualität zwischen “Sehr Steil” bis  “Brennende Kupplung” und “Schmaler Bürgersteig wenn überhaupt”. Walkability Index von 26 fällt in die Kategorie: You pretty much need a car.

Morgen früh beginnt für E. die Reise hierher, sie fährt nach Frankfurt.

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Fortschritte

Wir haben uns mit unserem Händler aus Florida geeinigt, wie wir mit den Kosten für den Katalysator umgehen. Wir sind zu einer für alle Beteiligten vernüftigen Regelung gekommen und das in einer Situation, in der dem Händler klar ist, dass wir auf der anderen Seite seines Kontinents sind und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen weiteren PKW bei ihm kaufen werden oder irgendjemanden kennen, der das vorhaben könnte. Soviel zum  Turbokapitalismus. Diego hat morgen früh einen Termin in der Schrauberboutique.

Nachmittags stand eine kurze Inspektionsfahrt auf dem Programm. E. wird am Donnerstag mit Lufthansa Cargo hier ankommen.

E. (Die schwarze Dalmatinerlady)

E. (Die schwarze Dalmatinerlady)

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San Francisco Chamber Orchestra

Das San Francisco Chamber Orchestra spielt die Goldbergvariationen von Bach in der First Congregational Church in Berkeley. Und wir waren dabei, 70 Minuten non stop durch alle Variationen. Vorab 15 Minuten Erläuterungen durch den Dirigenten an musikalischen Beispielen aus dem Werk. Einige Erläuterungen haben sich mir erschlossen, viele leider nicht. Bachs Werk ist komplex und vielschichtig und ich bin eher nicht geeignet, es zu verstehen oder zu würdigen. Ich fand das Konzert gut, mit mehr Zugang ist das Vergnügen ganz bestimmt noch größer. Ich vermute, e. hat es sehr gut gefallen, das aber muss ich noch in Erfahrung bringen.

Der Grund, weswegen wir noch nicht über das Konzert an sich gesprochen haben, liegt in dem Umstand begründet, dass wir uns nach dem Konzert mit einigem Vergnügen über “den Vorfall” hermachten. Das war so: Wir saßen recht weit vorne am rechten Rand und die Bankreihen waren sehr gut gefüllt, gerade nur so war zu den Sitznachbarn noch keine Tuchfühlung hergestellt. Benjamin Simon hatte sein Orchestra eben durch den vierstimmigen Kanon in der 22sten Variation dirigiert, als plötzlich und von mir vollkommen unerwartet von hinten etwas zügig heranstampfte und einen beachtlichen Schatten warf. Eine massive Dame kam mit hochrotem Kopf und laut schnaufend an der Reihe vor uns zu stehen, rief vollkommen außer Atem und viel zu laut “Excuse me” und ging nahtlos dazu über, für ihre Körperfülle zwei Plätze zu belegen, wo kein halber mehr war. Der Gentleman, der bisher am rechten Rand der Bank saß, geriet in helle Aufregung und versuchte zügig, aus dem Gefahrenbereich herauszurudern. Der Fleischberg fiel in die kleine Lücke und schob die Besucher in der Reihe vor uns zu Heringen zusammen. Mißbilligende Blicke allerorten und dennoch Haltung bei den Betroffenen, trotz der schwierigen Situation. Der Fleischberg raschelte eine Weile mit einer mitgebrachten Plastiktüte und e. rechnete fest damit dass – wie sie mir bei der späteren Durchsprache der Ereignisse eröffnete – nun mit einem lauten “Pflopp” eine Chipstüte ihren Einsatz haben würde.

Am Flughafen in Frankfurt wird gestreikt, schon wieder. Zustände wie in Italien.

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E.

E. ist unser Hund. Und E. wird voraussichtlich am Donnerstag mit Lufthansa Cargo in San Francisco ankommen. Voraussetzung ist gutes Wetter, Lufhansa Cargo führt keine Tiertransporte durch, wenn es zu kalt oder zu warm ist. Voraussetzung ist auch, dass der Flughafen Frankfurt nicht bestreikt wird. Gehen wir davon aus, dass alles klappen wird, gehen wir auch davon aus, dass der Hund gesund hier ankommt.

Ich erinnere mich noch daran, wie unser Hund sich der Hundebox nicht auf einen Meter nähern würde. Wir haben dann angefangen, sie darin zu füttern und sie hat irgendwann angefangen, sich reinzutrauen, anfänglich nur mit den Vorderbeinen. Inzwischen aber mag sie die Box, es ist seit einem halben Jahr ihr Zuhause, sie schläft gern darin. Wir hoffen, dass sie einen unaufgeregten Flug hat.

Wir sind gespannt, wie E. in Kalifornien zurechtkommt, sie wird die Sonne mögen, denken wir. Sie wird den Ozean mögen, denken wir, und wir denken, sie wird die Dinge mögen, die wir für sie heute eingekauft haben: Kong, Frisbee, Futter und Hundekissen. Ob wir mit unserer Einschätzung Recht haben, wir werden es Euch wissen lassen.

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Greencard


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Der Termin in Salinas bei der Einwanderungsbehörde war gestern um 15:00 Uhr, hier ist die Zeit unter dem Namen 3pm bekannt. Damit komme ich gut zurecht, viel besser als mit “Viertel Fünf”, das ist nämlich weder Viertel vor noch nach Fünf, sondern Viertel nach Vier. Das Büro der Einwanderungsbehörde liegt in einem Einkauszentrum, einer Mall, die Schaufenster sind blau abgeklebt, das ganze sieht etwas unseriös aus. Der Termin ist wichtig, es geht um die Verlängerung meiner Greencard, wir sind schon um Viertel Drei vor Ort und ich entschließe mich, das Büro deutlich vor der Zeit zu betreten. Der Raum hinter den blauen Fenstern ist viel zu groß für den einen Schreibtisch. Dahinter sitzt eine Beamtin und begrüßt mich erfreut noch bevor ich die Sonnenbrille abgenommen habe. Sie legt ihr Buch beiseite und nach dem gegenseitigen Austausch von Höflichkeiten bittet sie mich, ein Formular auszufüllen. Ich stocke kurz bei Größe und Gewicht in foot and pound und übernehme dann die Zahlen aus meinem kalifornischen Führerschein, trotzdem ich noch genau weiß, wie sie zustandegekommen sind. Aber ebenso weiß ich beruflich bedingt, dass die Herkunft auch bei Zahlen wichtiger ist als die Qualität. Dann werde ich um Fingerabdrücke gebeten, genau wie schon beim ersten Antrag für die Greencard in Berlin vor vier Jahren, bei der ersten Einreise, beim Antrag auf die Wiedereinreisegenehmigung und bei der Wiedereinreise. Ich habe übrigens – dass Ihr es nur wisst – sehr schöne, klare Fingerabdrücke. Klar, ich habe auch eher theoretisches Wissen zum Umgang mit der Schaufel, und nur durch kunstvolle Jonglage mit dem Druckbleistift nutzt sich da nichts ab.

Die neue Greencard für 10 Jahre bekomme ich mit der Post, die alte läuft heute ab.

Das Gilroy Premium Outlet Center liegt auf dem Weg von San Francisco nach Salinas, ich habe mir dort eine Cargohose beschafft (legal) und ich hatte schon lange wieder vergessen, wie praktisch Beintaschen sind.

Santa Cruz ist nicht nur e.s Geburtstadt, es ist auch einfach ein charmantes, schönes Städtchen am Pazifik. Der Abend wird eingeleitet von “Serious Barbeque” bei “Odvalla OJ” (Orange Juice) und das Frühstück am nächsten Tag war das beste dieses Jahr.

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