The Good
Erstens: Die Amerikaner sind kultivierte Menschen. Nicht so sehr vielleicht im Hinblick auf Äußerlichkeiten wie Kleidung oder Tischkultur, hier ist maximaler Pragmatismus angesagt. Aber sehr so im Hinblick auf den offenen, höflichen und rücksichtsvollen Umgang mit anderen Menschen. Das geht bei den Kindern los und hört im Straßenverkehr nicht auf.
Zweitens: Die Einmischung des Staates in das Leben seiner Bürger ist gering. Die Amerikaner glauben an individuelle Verantwortung und erwarten nicht, dass der Staat ihre Probleme löst. Die Spendenbereitschaft ist hoch und sehr vieles im Bereich Kirchen, Kultur, Umweltschutz und Sozialleistungen wird weitgehend durch Spenden und Freiwilligenarbeit unterhalten.
Drittens: Die landschaftliche Schönheit der USA und der Reichtum der Natur. Speziell für die Küstenregion in Kalifornien ist noch hinzuzufügen: Das milde Klima und schöne Wetter.
The Bad
Die junge Nation hat noch keinen rechten Umgang gefunden mit ihrer Geschichte. Natürlich ist es eine Leistung, in so kurzer Zeit eine Weltmacht aufzubauen. Aber die dunklen Kapitel dabei werden nicht gerne angesprochen oder historisch aufgearbeitet oder diskutiert. Das betrifft den Umgang mit den Indianern, den Sklaven, anderen Nationen vor allem in Mittelamerika, das betrifft auch die Kriege in Korea und Vietnam. Für einen Deutschen, der mit der Mahnung über den Holocaust aufgewachsen ist, gehen die Amerikaner sehr leichtfertig mit ihrer historischen Verantwortung um. Ich bin versucht zu glauben, dass dadurch Auswüchse wie Guantanamo, geheime CIA Gefängnisse oder Irakkrieg begünstigt werden, man kann aus seiner Vergangenheit nicht lernen, wenn man sich ihr nicht stellt.
The Ugly
Die Anzahl der Schusswaffen in den USA ist pro Kopf drei Mal so hoch wie in Deutschland. In vier von zehn Haushalten gibt es mindestens eine Schusswaffe. In 60% aller Fälle angeschafft zur Selbstverteidigung, ein Fall der praktisch nie eintritt. Was eintritt ist der jährlich zehntausendfache Selbstmord durch die leichtverfügbare Waffe, Mord im Familienstreit, Tod durch Leichtfertigkeit oder Unfall. Eine Waffe im Haushalt ist a disaster waiting to happen.
Kalifornien hat vergleichsweise strenge Waffengesetze, aber in vielen Gegenden kann jeder Hinterwäldler eine Waffe tragen. Sehr gerne übrigens eine aus Deutschland oder Österreich.
Aber hey, nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen.
Und das persönliche Fazit?
Bedenke, daß die menschlichen Verhältnisse insgesamt unbeständig sind, dann wirst Du im Glück nicht zu fröhlich und im Unglück nicht zu traurig sein. (Sokrates)
Also gilt: Nicht zu fröhlich. Wir haben viel Glück gehabt und es gut getroffen. Nichts ist für immer aber das hier ist hoffentlich für lange.
If it don’t kill you it just makes you stronger
Der Satz tut weh wie Fingernagel auf Kreidetafel. Ich habe ihn in meinem Abi-Jahrbuch gefunden, darunter ein Bild der Skyline von New York. Der Satz ist vermutlich gemeint als ein Zeichen des Mannes von Welt (mit Abitur!) und als ein Zitat von Bruce Willis in “Stirb Langsam I”.
Früher ist mir das nie aufgefallen, aber heute erkenne ich die tiefe Ironie der Sache. Es beginnt damit, dass der Satz falsch ist, er muss lauten “If it *doesn’t* kill you it just makes you stronger”. Kleinstadt Abi-Englisch statt Weltstadtbezug. Und dann ist ja auch nicht Bruce Willis der Urheber des Satzes sondern Nietzsche, der schon viel früher geschrieben hat “What does not kill me makes me stronger.” Allerdings nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch, denn Nietzsche war – natürlich – Deutscher.
Ja, das Abi. Damals haben wir uns für die größten gehalten. Heute bin ich da deutlich vorsichtiger.